Zirkelschluss
Zirkelschluss
Ein Zirkelschluss, auch Zirkelbeweis, logischer Zirkel, circulus vitiosus (lat., wörtlich: fehlerhafter Kreis) oder hysteron proteron (altgriechisch, wörtlich das Spätere vor dem Früheren), ist der Versuch, eine Aussage durch Deduktion zu beweisen, indem die Aussage selbst als Voraussetzung verwendet wird.
Damit wird also eine These aus Argumenten abgeleitet und diese Argumente werden ihrerseits aus derselben These geschlussfolgert. Dies stellt eine Verletzung des Satzes vom zureichenden Grunde dar. Der Selbstbezug kann auch über mehrere Stufen geschehen, sodass der Zirkelschluss einem unvorsichtigen Betrachter, oder gar dem Urheber selbst, verborgen bleibt.
Zirkelschlüsse sind in der (philosophischen) Logik keine legitime Form des logischen Schließens, es handelt sich um einen logischen Fehler. Als solcher ist er der fünfte der Fünf Tropen des Agrippa und Element des Münchhausen-Trilemma.
Sie werden aber dennoch gerne verwendet, um wissenschaftlich nicht haltbare angebliche Tatsachen, aber auch Glaubenselemente zu „beweisen“ und so Anhänger für eine Idee bzw. Ideologie zu gewinnen. Um die Legitimität des Schlusses zu untermauern, wird der Zirkelschluss oft ergänzt durch die Widerlegung eines angeblichen oder stark verfälschten unhaltbaren Arguments der Gegenseite.
Molière verspottete in einer seiner Komödien treffend diese Art von logischen Fehlern: Der Vater einer stummen Tochter möchte wissen, warum seine Tochter stumm ist. „Nichts einfacher als das“, antwortet der Arzt, „das hängt vom verlorenen Sprachvermögen ab.“ „Natürlich, natürlich“, entgegnet der Vater, „aber sagen Sie mir bitte, aus welchem Grunde hat sie das Sprachvermögen verloren?“ Darauf der Arzt: „Alle unsere besten Autoren sagen uns, dass das vom Unvermögen abhängt, die Sprache zu beherrschen.“
Beispiele
- Die Bibel ist Gottes Wort, denn es steht geschrieben „alle Schrift ist von Gott eingegeben“.
- Das Argument zitiert den 2. Brief an Timotheus LUT aus dem Neuen Testament; da das Neue Testament ein Teil der christlichen Bibel ist, wird dabei die Autorität der Bibel durch ein Bibelzitat begründet, das stillschweigend wiederum dadurch als autorisiert angesehen wird, dass die Bibel Gottes Wort sei, was aber eigentlich begründet werden sollte.
Die eigentliche Schwäche dieses Argumentationsbeispiels ist jedoch, dass es sich nur um ein Autoritätsargument handelt. Wenn man die Bibel, wie ja getan wird, als eine Sammlung von Schriften ansieht, dann wird mit dem obigen Argument die Richtigkeit diverser Schriften durch eine spezielle Schrift des Apostels Paulus begründet – und daher könnte man den Standpunkt vertreten, die Begründung sei nicht selbstbezüglich, zumal es den Kanon der christlichen Bibel noch nicht gab, als der 2. Timotheusbrief geschrieben wurde, und zumal der Verfasser des Briefes mit „aller Schrift“ vermutlich den Tanach meinte, das heißt die älteren heiligen Schriften der Juden. Übrig bleibt aber in jedem Fall, dass die Geltung der Bibel entweder durch die Autorität Gottes oder durch die Autorität des Paulus untermauert werden soll, ein Autoritätsargument alleine ist jedoch nie ein zwingendes Sachargument, sondern eine bloße Behauptung.
Siehe auch
Wiktionary: Zirkelschluss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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