Rasse Anthropologie
Rassentheorien (auch Rassenkunde oder Rassenlehre) sind heute überholte Theorien, die die Menschheit in verschiedene „Rassen“ einteilten. Die vermeintlichen Rassen wurden primär aufgrund physischer Merkmale wie der Hautfarbe und der Behaarung unterschieden, zumeist wurden jedoch auch Unterschiede im Charakter und bei Fähigkeiten angenommen. Diese Ansichten gelten seit den 1990er Jahren als überholt, da genetische Untersuchungen ergaben, dass die Unterschiede zwischen den vermeintlichen Rassen wesentlich geringer sind als die Variabilität innerhalb dieser Populationen und dass es sich somit nicht um Rassen im biologischen Sinn handelt. Von den Rassentheorien zu unterscheiden ist der vielfach an sie anschließende, teils aber auch direkt implizierte Rassismus, der zwischen höher- und minderwertigen Menschenrassen unterscheidet und Zusammenhänge zwischen rassisch bedingten Eigenschaften und der Kulturentwicklung behauptet.
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Begriffsgeschichte
Der Begriff „Rasse“ entstand im 15. Jahrhundert in Spanien und bedeutete ursprünglich, von guter oder schlechter Herkunft (rraça) zu sein. Zunächst wurde er hauptsächlich bei der Beschreibung von Adelsfamilien und in der Pferdezucht verwendet.[1] In den folgenden Jahrhunderten wurde er auch in andere europäische Sprachen übernommen, wobei er zunehmend für verschiedenste Arten menschlicher Kollektive Verwendung fand, etwa für Religionsgemeinschaften („christliche Rasse“) oder auch für die Menschheit insgesamt („menschliche Rasse“).[2] Zur Klassifikation von Menschen im Sinne einer anthropologischen Taxonomie wurde er wohl erstmals 1684 von François Bernier benutzt.[3]
Wie heute noch „race“ im Englischen, war im Deutschen der Begriff „Rasse“ bis ins 20. Jahrhundert hinein uneindeutig, insofern die über eine gemeinsame Kultur gegeneinander abgrenzbaren Ethnien ebenfalls oftmals ideologisch auf biologische Merkmale zurückgeführt wurden. Daher versuchten frühe Soziologen, einen sozialwissenschaftlichen Begriff von „Rasse“ herauszuarbeiten. Bemerkenswert ist vor allem Ludwig Gumplovicz, der sich des Konzeptes der „Gruppe“ bediente (so in Der Rassenkampf, 1883). Diese Ansätze fanden sich noch 1961 etwa bei Wilhelm Emil Mühlmann in seinem Buch Chiliasmus und Nativismus, erloschen aber dann gänzlich.
In der biologischen Anthropologie war die Unterteilung der Art Homo sapiens in verschiedene Rassen bis in das späte 20. Jahrhundert üblich.[4] Seit den 1970er Jahren erwuchsen jedoch aufgrund genetischer Untersuchungen zunehmend Zweifel an der Berechtigung, von menschlichen Rassen zu sprechen.[5] 1995 forderte die „Wissenschaftliche Arbeitsgruppe der internationalen UNESCO-Konferenz gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung“, dass „das überholte Konzept der ‚Rasse‘ durch Vorstellungen und Schlussfolgerungen zu ersetzen“ sei, „die auf einem gültigen Verständnis genetischer Variation beruhen, das für menschliche Populationen angemessen ist“.[6] Die traditionelle Einteilung der Menschheit in Rassen widerspreche dem aktuellen Stand der Forschung.
Der Humanbiologe Ulrich Kattmann postulierte 1999, dass die Einteilung der Menschheit in Rassen an sich schon eine rassistische Theorie sei, die aus außerwissenschaftlichen Alltagsvorstellungen und sozialpsychologischen Bedürfnissen gespeist werde.[7] Enzyklopädien wie der Brockhaus oder Meyers Lexikon bezeichnen in ihren aktuellen Ausgaben (Brockhaus ab 2006) derartige typologisch-rassensystematische Kategorien als „veraltet“.[8] Auf der Grundlage der neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse sprach sich 2008 das Deutsche Institut für Menschenrechte insbesondere gegen die Verwendung des Begriffs „Rasse“ in Gesetzestexten aus.[9] Im Artikel 3 („Gleichheit vor dem Gesetz“) des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wird er bislang dennoch weiter verwendet.
- Näheres zum Gebrauch und zur Etymologie des Wortes Rasse siehe Rasse.
Beispiele von Rassekonzepten
| Rassenkonzepte (Auswahl)[10] | |||
|---|---|---|---|
| Jahr | Autor und Titel | # | Bezeichnungen |
| 1666 | Georgius Hornius: Arca Noae, sive historia imperiorum et regnorum a condita orbe ad nostra tempora | 3 | Japhetiten (Weiße), Semiten (Gelbe), Hamiten (Schwarze) (Nachkommen der drei Söhne Noachs) |
| 1684 | François Bernier: Nouvelle division de la Terre, par les differentes Espèces ou Races d’hommes qui l’habitent | 4-5 | Europäer (auch Ägypter u. braunhäutige Inder), Afrikaner, Chinesen und Japaner, Lappen, (Indianer, dem Europäer nahestehend) |
| 1735 | Carl von Linné: Systema naturae | 4 | Europaeus albus (Weiße), Americanus rubesceus (Rote), Asiaticus luridus (Gelbe), Afer niger (Schwarze) |
| 1775 | Johann Friedrich Blumenbach: De generis humanis varietate nativa | 5 | Kaukasier, Mongolen, Äthiopier, Amerikaner, Malayen |
| 1775 | Immanuel Kant: Von den verschiedenen Racen der Menschen | 4 | Weiße, Neger, mongolische oder kalmückische Race, Hindu-Race |
| 1841 | Auguste Comte: Cours de philosophie positive | 3 | Weiße, Gelbe, Schwarze |
| 1849 | Carl Gustav Carus: Über die ungleiche Befähigung der verschiedenen Menschenstämme für höhere geistige Entwicklung | 4 | Rasse des Morgenrots (Gelbe), Tagrasse (Weiße), Rasse der Dämmerung (Rote), Nachtrasse (Schwarze) |
| 1853/55 | Arthur Comte de Gobineau: L’essai sur l’inégalité des races humaines | 3 | Weiße, Gelbe, Schwarze |
| 1894 | Gustave Le Bon: Lois psychologiques de l’évolution des peuples | 4 | Primitivrassen (Pygmäen, australische Ureinwohner), niedere Rassen (Farbige Menschen mit dunkler Haut), mittlere Rassen (Chinesen, Mongolen, Semiten), höhere Rassen (Indoeuropäer) |
| 1925/27 | Adolf Hitler: Mein Kampf | 3 | Kulturbegründer, Kulturträger, Kulturzerstörer |
| 1934 | Egon Freiherr von Eickstedt: Rassenkunde und Rassengeschichte der Menschheit | 3 (80) | Europide, Mongolide, Negride; (Zur weiteren Unterteilung der so genannten „Großrassen“ siehe eigene Tabelle) |
Geschichte
Frühere Klassifikationen
Eine systematische Klassifizierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft entwickelte schon Aristoteles.[11] Dabei übernahm er die damals unter den Griechen herrschende Überzeugung, dass alle anderen Völker („Barbaren“) in charakterlicher und kultureller Hinsicht unterlegen seien, und erklärte dies aus den andersartigen klimatischen Verhältnissen, denen sie ausgesetzt waren. Dieses Konzept des Barbaren wurde von den Römern übernommen. Mit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion trat jedoch ein neues Klassifikationsschema an seine Stelle, das die Menschen nach ihrer Religion unterschied: Christen, Juden, Heiden und Häretiker, später ergänzt durch die Muslime.[12] Diese Klassifikation blieb in der christlichen Welt bis in die frühe Neuzeit maßgebend.
Reconquista, Kolonialismus und Säkularisierung
Die Einteilung der Menschen nach ihrem Glauben wurde problematisch, als in Spanien nach dem Abschluss der Reconquista (Vertreibung der Mauren) 1492 die Zwangsbekehrung der zahlreichen Juden zum Christentum verordnet wurde und in der Folge viele der zwangsweise „Bekehrten“ insgeheim ihre bisherige Religion weiter pflegten oder dessen verdächtigt wurden. In diesem Zusammenhang erlangte neben der Reinheit des Glaubens auch die Reinheit des „Blutes“ (d.h. der Herkunft) Bedeutung, und für den letzteren Aspekt wurde der Begriff der Rasse eingeführt, der sich somit auf eine jüdische, christliche oder auch maurische Herkunft bezog.[13]
Eine bedeutende Rolle bei der weiteren Etablierung des Rassebegriffs und der Entwicklung von Rassentheorien spielte der europäische Kolonialismus (einschließlich der Eroberung Amerikas und des transatlantischen Sklavenhandels) seit dem 15. und 16. Jahrhundert, wodurch fortlaufend neues Wissen über bislang unbekannte Weltteile, Völker und Sitten verfügbar wurde. Dabei stützten sich die Kenntnisse über fremde „Rassen“ in jener Zeit zu großen Teilen auf Berichte von Eroberern und Missionaren, welche stark rassistisch geprägt waren.[14] Beliebt waren in den damaligen Reiseberichten auch das Motiv des „edlen Wilden“, die religiöse Interpretation auf Grundlage der biblischen Genesis oder die Gleichsetzung fremder Völker mit den Verlorenen Stämmen Israels.[15]
Im Zuge der Säkularisierung in Europa erwuchs aus der ehemals christlichen Vorstellung einer überlegenen Religion die Vorstellung einer überlegenen Kultur, die sich nunmehr in der Vorstellung einer überlegenen Rasse manifestierte.[16] Verbunden war dieser Gedanke auch mit der Idee des Auserwähltseins des eigenen „Volkes“ und der eigenen „Rasse“, wobei diese Vorstellung vor allem in calvinistischen und puritanisch geprägten Ländern und Gegenden an Bedeutung gewann und auch in der christlichen Mission eine Rolle spielte. In den eher katholisch geprägten Gebieten wurde demgegenüber eher an der Vorstellung einer die ganze Menschheit umfassenden „Völkerfamilie“ festgehalten, was einen derartigen auf Rassentrennung zielenden Gegensatz ausschloss.[17]
Aufklärung und Wissenschaft
In der Aufklärung war „Rasse“ zunächst kein biologischer Begriff, sondern ein historisches Konzept.[18] So betrachtete der französische Historiker Henri de Boulainvilliers in seiner 1727 erschienenen Geschichte des französischen Adels den Adel und das Volk als zwei getrennte Rassen, deren Auseinandersetzungen die Geschichte Frankreichs prägten. Dieses Konzept bereicherte Augustin Thierry nach der Revolution durch die Vorstellung, dass der Adel germanischer oder fränkischer Abstammung sei und das gallisch-keltische Volk somit die Herrschaft einer fremden Rasse abgeschüttelt habe.[19] Ähnliche Ansichten waren zuvor auch schon in England entwickelt worden, wo Rechtsgelehrte wie Edward Coke und John Selden das Herrscherhaus der Stuarts als normannische Fremdrasse der angelsächsischen Bevölkerung gegenübergestellt hatten.
Das Bedürfnis, die Menschheit zu klassifizieren, erwuchs aus der der Aufklärung eigenen Überzeugung, dass die Welt eine sinnvolle Ordnung aufweise, in welcher auch der Mensch seinen Platz habe, und dass es der menschlichen Vernunft möglich sei, diese Ordnung zu erkennen. Traditionell wurde dabei eine hierarchische Stufenleiter (scala naturae) angenommen, in der der Mensch über den Tieren stand, aber durch eine kontinuierliche Folge von Übergängen mit diesen verbunden war. Daher wurden die Affen als die am höchsten stehenden Tiere in die unmittelbare Nähe der „niedrigsten“ Menschen gestellt, als welche man gewöhnlich die Schwarzen ansah.[20] Dem entsprach die im Verlauf des 18. Jahrhunderts zunehmende Tendenz in Reiseberichten, die „Wilden“ nicht mehr als edel und in positiver Weise ursprünglich darzustellen, sondern als zurückgeblieben und minderwertig.[21]
Carl von Linné, der Begründer der biologischen Systematik, unterteilte in Systema Naturae die Art Homo sapiens in vier Typen, die er nach der Hautfarbe und dem Temperament unterschied.[22] Dem roten Americanus sprach er ein cholerisches Temperament zu, dem weißen Europaeus ein sanguinisches, den gelben Asiaticus bezeichnete er als Melancholiker und den schwarzen Afer als phlegmatisch. Bei Linné findet sich auch eine Wertung dieser Typen, indem er den Weißen als schöpferisch, erfinderisch und ordentlich und den Schwarzen als faul und unaufrichtig charakterisierte.[23]
Im Deutschen wurde der Rassebegriff (in der französischen Schreibweise race) erst 1775 von Johann Friedrich Blumenbach und Immanuel Kant (siehe Race (Kant)) erstmals verwendet, die die gesamte Menschheit in fünf bzw. vier Rassen einteilten. Die Vorstellung einer natürlichen Ordnung innerhalb der Menschheit nach Maßgabe der Hautfarbe war zu dieser Zeit bereits verbreitet.[24] Blumenbach und Kant prägten dafür im Deutschen die Bezeichnung „Race“ und führten sie in den akademischen Diskurs ein. Während der Begriff im Französischen und im Englischen „zu einem zentralen Begriff der Geschichtsschreibung“ (Geulen) avancierte, blieb er im Deutschen jedoch zunächst eher unbedeutend und erlangte erst im späten 19. Jahrhundert eine größere Popularität. In diesem Sinne war Deutschland, wie der Historiker Christian Geulen schreibt, „eine verspätete Nation“.[25]
Bei Kant war – wie bei vielen seiner Zeitgenossen[26] – mit der Unterscheidung von Rassen eine Über- bzw. Unterordnung verbunden: Für ihn gab es vier Rassen, die sich in ihrer Bildungsfähigkeit unterschieden. An der Spitze der Vernunftbegabten standen die weißen Europäer.[27] So schrieb er: „In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der ‚race‘ der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“[28] Die Erklärung der Rassenunterschiede durch das Klima, die sich historisch bis zu Aristoteles zurückverfolgen lässt[29], übernahm Kant zeitweilig von französischen Vordenkern wie Montesquieu[30]; später distanzierte er sich davon.[31]. Blumenbach erklärte im Gegensatz zu Kant, dass es keine eindeutig voneinander abgrenzbaren und unwandelbaren Rassetypen gebe, sondern dass eine Rasse unmerklich in die andere übergehe. Eine Einteilung in unterlegene und überlegene Rassen lehnte er ab.[32]
Neben physischen Faktoren wie der Hautfarbe und der geographischen Verbreitung spielten bei rassentheoretischen Erörterungen jener Zeit vielfach auch ästhetische und moralische Bewertungen eine Rolle.[33] So schrieb Christoph Meiners in seinem Grundriss der Geschichte der Menschheit (1785): „Eines der Hauptmerkmale der Stämme und Völker ist die Schönheit oder Hässlichkeit des ganzen Körpers oder des Gesichtes.“[34] Als Schönheitsideale dienten in diesem Zusammenhang Kunstwerke der griechischen Antike, und auch bei der moralischen Bewertung orientierte man sich an dem antiken Ideal der Mäßigung und der Beherrschung der Leidenschaften, das vor allem durch die zeitgenössischen religiösen Wiedererweckungsbewegungen des Methodismus und Pietismus vermittelt wurde.[33] Mit der Physiognomik und der Phrenologie kamen zeitweilig sehr populäre Lehren hinzu, die Zusammenhänge zwischen der äußeren Erscheinung eines Menschen und der geistig-moralischen Ebene postulierten und bald auch in den Bereich der Rassentheorien Eingang fanden.[35]
19. Jahrhundert
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war, wie der Historiker Christian Geulen schreibt, „die Epoche der wohl breitesten und vielfältigsten Verwendung des Rassenbegriffs“.[36] Während er in der Naturwissenschaft nur am Rande rezipiert wurde, erfreute er sich in anderen Bereichen, von der Kategorisierung der neuen sozialen Lebensformen in den ausufernden Elendsquartieren der Arbeiter in Industriestädten bis zur Kennzeichnung individueller Merkmale, großer Beliebtheit. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts jedoch machte sich, angestoßen durch die 1859 publizierte Evolutionstheorie Charles Darwins, eine „Biologisierung“ der Ethnologie geltend, wodurch der Begriff der Rasse wieder verstärkt als biologische Kategorie wahrgenommen wurde.[37]
Als neue Quelle für Kenntnisse fremder „Rassen“ kamen im 19. Jahrhundert Berichte von Forschungsreisen hinzu, an denen Zoologen, Anthropologen und Völkerkundler teilnahmen.[38] Unter den Naturwissenschaftlern und Naturphilosophen jenes Jahrhunderts, die sich mit der Materie befassten, waren neben Blumenbach Georges Cuvier, James Cowles Prichard und Louis Agassiz bedeutend. Cuvier zählte drei Rassen, Prichard sieben, Agassiz acht. Andere Autoren entwickelten noch feinere Unterteilungen; so unterschied Jean Baptiste Bory de Saint-Vincent 24 und Joseph Deniker allein in Europa 29 Rassen.[39] Blumenbachs Einteilung, die Carl von Linnés „Urtypen“ um eine fünfte Rasse (die braune oder malaische) erweiterte, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend akzeptiert. Blumenbach prägte auch den Begriff der „kaukasischen“ oder „weißen“ Rasse, die er als „Stammrasse“ ansah, weil die Georgier die schönsten Schädel hätten.[40]
Großen Einfluss erlangte der französische Schriftsteller Arthur de Gobineau mit seinem 1852 bis 1854 in vier Bänden erschienenen Essai sur l’inégalité des raçes humaines (Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen), in dem er das etablierte Motiv des Rassenkampfes durch das Thema Rassenvermischung ergänzte und versuchte, die Geschichte der Völker und Nationen auf diese beiden Faktoren zurückzuführen.[41] Entscheidend für die kulturelle Entwicklung sei, dass sich fortschreitende Völker in ihren Rasse-Eigenschaften von anderen unterscheiden, und die Vermischung der Rassen führe zum Niedergang. Dies wurde von zahlreichen anderen Autoren aufgegriffen und bildete die theoretische Grundlage für vielfältige rassistische Praktiken bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. (Die Vorstellung, dass Rassenmischung schädlich sei, war damals plausibel, da man die Vererbung an das Blut gebunden dachte, bei dessen fortschreitender Mischung wertvolle Anlagen durch Verdünnung verloren gehen.[42]) Folgenreich war auch Gobineaus Übertragung des ursprünglich in der Sprachwissenschaft geprägten Begriffes „Arier“ in den Bereich der Rassentheorien.[43] Sein Essai entfaltete seine Wirkung vor allem im deutschen Sprachraum, wo sich der Komponist Richard Wagner und dessen Umfeld (Cosima Wagner, Karl Ludwig Schemann) stark dafür einsetzte.[44]
Im Rahmen der Kolonialisierung und der christlichen Mission in Afrika wurden im 19. Jahrhundert verschiedene ethnologisch inspirierte Rassentheorien aufgestellt, unter anderem die von John Hanning Speke begründete Hamitentheorie. Diese sagte aus, dass diejenigen Völker, deren Sprache über Nominalklassen verfügt, kulturell höherwertiger seien als andere. Es wurde argumentiert, dass sich solche Völker kulturell an die abendländisch-morgenländischen Zivilisationen anschließen ließen. Diese Theorie diente zur Auswahl von „Herrenvölkern“ in den jeweils besetzten Territorien.
Der Hegelschen Dialektik eines geschichtlichen Weltgeistes folgend, vertrat der Frühsozialist Moses Hess, kurzzeitiger Mitstreiter von Marx und Engels, in seinem Werk Rom und Jerusalem aus dem Jahre 1862 eine Art von Messianismus des Glaubensinhalts, dass mit der Philosophie Spinozas und der Französischen Revolution ein neues Weltzeitalter begonnen habe, nachdem das französische Volk durch die Enthauptung seines Monarchen die Vorherrschaft einer „germanischen Rasse“ gebrochen habe. Hess unterschied nach verschiedenen Rassen in der Weltgeschichte und hielt unter dem Vorzeichen seiner ideologischen, säkularisierten „apokalyptischen“ Denkweisen einen „letzten Racenkampf“ für notwendig, den er als dem Klassenkampf vorrangig postulierte. Für Hess waren die verschiedenen Rassen jedoch nicht von verschiedener Wertigkeit, sondern jeweils Träger von Eigenschaften, die für die Menschheit insgesamt bereichernd seien. Nach einer chaotischen Zeit des „Kampfes ums Dasein“ sollten sie am „Ende der Geschichte“ ein Verhältnis solidarischen Zusammenlebens als „Glieder am Körper der Menschheit“ erreichen, ohne ihre jeweiligen charakteristischen Eigenschaften zu verlieren.
Ein weiteres Motiv der „Rassenkunde“, das gegen Ende des Jahrhunderts aufkam und bald sehr populär wurde, war die Eugenik: die Idee, die Entwicklung von Rassen künstlich zu steuern.[45] Zu den einflussreichsten Verfechtern dieses Anliegens gehörten Francis Galton und Houston Stewart Chamberlain. Ähnliche Ansichten vertrat auch Ernst Haeckel.[46]
20. Jahrhundert
Ende des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung der Rassentheorien im wesentlichen abgeschlossen.[47] Um die Jahrhundertwende trat die Eugenik in den Vordergrund der rassentheoretischen Erörterungen, und in den folgenden Jahrzehnten wurde sie in der Praxis umgesetzt. Erste Projekte zur Züchtung von „rassisch hochwertigen“ Menschen durch gezielte Partnerwahl wurden in Deutschland und England schon in den 1890er Jahren begonnen, und parallel traten in den USA und in Skandinavien erste Fortpflanzungsverbote und Zwangssterilisationen sogenannter „Minderwertiger“ in Kraft.[48] Auch in außereuropäischen Kolonien wurden eugenische Projekte gestartet, und 1912 fand in London der erste eugenische Weltkongress statt. In den 1920er und 1930er Jahren galt die Eugenik als eine der innovativsten Wissenschaften, und sie wurde fast überall auch staatlich unterstützt.[49]
Die schärfste Zuspitzung und Radikalisierung erfuhr das rassenbiologische Denken im Nationalsozialismus.[50] Dort war es nicht nur Bestandteil der Propaganda, sondern ein zentraler Punkt der Ideologie und der betriebenen Politik. Adolf Hitlers Buch Mein Kampf enthielt ein umfangreiches Kapitel über Eugenik, und den von ihm entfesselten Krieg einschließlich der sogenannten Konzentrationslager betrachtete er als einen Überlebenskampf zwischen Rassen. Eine mit dem Nationalsozialismus vergleichbare Kombination von Eugenik und Rassenkampf lag im Stalinismus vor, allerdings mit einer anderen Vererbungstheorie, dem Lyssenkoismus, als Grundlage, die den Umwelteinflüssen die wesentliche Rolle bei der Rassenentwicklung zuschrieb.[51] Der auf diese Weise biologistisch untermauerte „Klassenkampf“ erreichte unter Josef Stalin ebenfalls genozidale Ausmaße. Stark rassisitisch geprägt war auch der Pazifikkrieg der USA gegen Japan ab 1942, der mit großflächigen Zerstörungen bis hin zum Abwurf zweier Atombomben auf Großstädte einherging.[52] In ähnlicher Weise zeugten die exzessiven Städtebombardierungen in Europa in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs „von der zeitgenössischen Wahrnehmung des Weltkriegs als biopolitischer Kampf gegen Bevölkerungen“ (Geulen).[52]
Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Greueln des Holocaust setzte die UNESCO 1949 ein Komitee von Anthropologen und Soziologen aus verschiedenen Ländern ein, das eine Erklärung zur Rassenproblematik erarbeitete, die 1950 veröffentlicht wurde.[53] Darin wurde festgehalten, dass im allgemeinen Sprachgebrauch zumeist Menschengruppen als „Rassen“ bezeichnet wurden, welche der gültigen Definition dieses Begriffs in der Wissenschaft nicht entsprachen, etwa Amerikaner, Katholiken oder Juden. Insofern im Rahmen der Wissenschaft von Menschenrassen gesprochen werde (etwa bei der Unterscheidung von Mongoloiden, Negroiden und Caucasoiden), beziehe sich das nur auf physische und physiologische Unterschiede. Dagegen gebe es keine Belege für nennenswerte Rassenunterschiede bei geistigen Eigenschaften wie der Intelligenz oder dem Temperament. Ebenso gebe es keine bedeutenden rassisch bedingten Unterschiede in sozialer oder kultureller Hinsicht. Und des Weiteren gebe es aus der Sicht der Biologie keine Hinweise darauf, dass eine Vermischung von Rassen nachteilige Auswirkungen habe. An diese Erklärung schloss sich 1965 das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung an. In der Praxis blieb allerdings in den Südstaaten der USA noch bis in die späten 1960er Jahre die Rassentrennung erhalten, und in Südafrika wurde die Apartheid erst 1990 überwunden.[54]
Kritik und Überwindung
Widerspruch gegen Rassentheorien gibt es, seit es Rassentheorien gibt: Humanisten wie Johann Gottfried von Herder, Johann Georg Adam Forster oder Georg Christoph Lichtenberg sprachen sich schon zu Kants Zeiten gegen den Rassebegriff aus.
Als Reaktion auf die rassistische Politik der Nationalsozialisten schrieben Julian Huxley und Alfred C. Haddon ihr 1935 erschienenes Buch „We Europeans: A Survey of Racial Problems“, in dem sie darlegten, dass es für die Annahme verschiedener, voneinander abgegrenzter Menschenrassen innerhalb Europas keine wissenschaftliche Grundlage gebe.[55] Derartige Klassifikationen anhand phänotypischer oder somatischer Merkmale und darauf basierende Bewertungen lehnten sie als pseudowissenschaftlich ab. Sie forderten, den Terminus „Rasse“ aus dem wissenschaftlichen Vokabular zu streichen und anstelle von Menschenrassen von „ethnischen Gruppen“ zu sprechen, da diese keinen biologischen Bezug besitzen, sondern soziologisch definiert sind. Die biologische Systematisierung der europäischen Menschentypen sei ein subjektiver Vorgang und der Mythos des Rassismus lediglich ein Versuch, den Nationalismus zu rechtfertigen. An der Untergliederung der gesamten Menschheit in drei große Gruppen hielten sie jedoch fest, wobei sie allerdings vorschlugen, auch in diesem Fall nicht mehr von Rassen, sondern von Unterarten zu sprechen.[56]
Bis etwa 1990 blieb aber die Rede von Menschenrassen in der Biologie gebräuchlich. So enthält Kindlers Enzyklopädie Der Mensch (1982) zwei Kapitel über „Die Rassenvielfalt der Menschheit“ und „Rassengeschichte und Rassenevolution“[57], und im Herder Lexikon Biologie von 1983-1987, Nachdruck 1994, beginnt der Eintrag Menschenrassen mit den Worten: „Wie andere biologische Arten ist auch der heutige Homo sapiens (Mensch) in jeweils relativ einheitliche Rassen mit charakteristischen Genkombinationen gegliedert“.[58]
Inzwischen sind derartige Klassifikationen jedoch durch die Erkenntnisse der modernen Genetik überholt.[5] Humangenetiker wie Richard Lewontin und Luigi Luca Cavalli-Sforza argumentieren seit den 1970er Jahren, dass äußerliche Unterschiede wie Haut- und Haarfarbe, Haarstruktur und Nasenform lediglich Anpassungen an unterschiedliche Klima- und Ernährungsbedingungen sind, die nur von einer kleinen Untergruppe von Genen bestimmt werden. Im Prinzip ist jede beliebige Untergruppe – theoretisch auch die Bewohner eines einzelnen Dorfes – durchschnittlich von anderen unterscheidbar. Anders ausgedrückt ist beim Menschen die Vielfalt so groß, dass es unzweckmäßig ist, diesen als Art zoologisch zu untergliedern.
„Im einzelnen können zwischen den menschlichen Populationen, einschließlich kleineren Gruppen, genetische Unterschiede festgestellt werden. Diese Unterschiede vergrößern sich im allgemeinen mit der geographischen Entfernung, doch die grundlegende genetische Variation zwischen Populationen ist viel weniger ausgeprägt. Das bedeutet, dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt.“[59] Eine einheitliche Klassifizierung sowohl nach morphologischen Kategorien wie Hautfarbe, Haarstruktur etc. hat sich als ebenso wenig haltbar erwiesen wie eine genetische Einteilung. Spätestens seit der Erklärung der UNESCO-Arbeitsgruppe von 1995 gilt die Anwendung des Rassebegriffs auf den Menschen als wissenschaftlich nicht mehr haltbar.
Cavalli-Sforza und andere Wissenschaftler sprechen von Populationen (Gruppen, die einen präzise bestimmten Raum bewohnen) – ein Begriff, der nicht biologisch, sondern statistisch definiert ist. Genetische Unterschiede zwischen Populationen lassen sich anhand einzelner Merkmale (zum Beispiel Blutgruppen) erfassen. Dabei liegt etwa 85% der bei Menschen erkennbaren genetischen Variabilität innerhalb einer Population vor; etwa 8% betreffen Unterschiede zwischen benachbarten Gruppen und nur 7% gehen auf Unterschiede zwischen den typologisch definierten “Rassen” zurück. Genetisch betrachtet können somit laut Cavalli-Sforza zwei Menschen aus verschiedenen Kontinenten stärker einander ähneln als Individuen einer spezifischen Gruppe, auch wenn sie zum Beispiel eine unterschiedliche Hautfarbe haben.
Populationen sind statistische Blöcke, die von der Wahl der jeweiligen Variablen abhängen, wobei es keinen bevorzugten Satz von Variablen gibt. Die „populationistische“ Ansicht leugnet nicht, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt; sie sagt aber, dass die historischen Rassekonzepte nicht besonders nützlich seien, um diese Unterschiede wissenschaftlich zu analysieren. So haben Analysen von SNPs von mehreren hundert Europäern ergeben, dass anhand dieser Merkmale europäische Populationen gegeneinander abgegrenzt werden können, beispielsweise Portugiesen und Spanier gegen Italiener.[60] [61] Diese Studien belegen zugleich, dass Konstrukte, die Gruppen von Populationen zu übergeordneten Einheiten zusammenfassen, letztlich rein willkürliche Grenzen zwischen den Entitäten setzen.
Dass Rasse „ein soziales Konstrukt – mehr Ausdruck sozialer Zuordnungen als ein Spiegelbild biologischer Unterschiede“[62], also kein naturwissenschaftliches Konzept sei, sagt auch der US-amerikanische Genomforscher Craig Venter.
Literatur
- Definitionen
- Werner Conze, Antje Sommer: Rasse. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-91500-1 (hier: Bd. 5, S. 135-178).
- Historische Ansätze
- Aleksandr Isaakovi Demidenko: Die Rassentheorien im Dienste der amerikanisch-englischen Imperialisten. Übers. von Anita Schewe, Berlin 1954. DNB
- Imanuel Geiss: Geschichte des Rassismus. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1988, ISBN 3-518-11530-8.
- Léon Poliakov: Der arische Mythos. Zu den Quellen von Rassismus und Nationalismus (”Le mythe aryen”). Junius-Verlag, Hamburg 1993, ISBN 3-88506-220-8.
- Thomas Geisen: Antirassistisches Geschichtsbuch. Quellen des Rassismus im kollektiven Gedächtnis der Deutschen. IKO, Frankfurt/M. 1996, ISBN 3-88939-028-5.
- Siep Stuurman: François Bernier and the Invention of Racial Classification. In: History Workshop Journal, Bd. 50 (2000), S. 1-21.
- Elazar Barkan: The Retreat of Scientific Racism. Changing Concepts of Race in Britain and the United States. CUP, Cambridge 2000, ISBN 0-521-39193-8.
- Venakis Andreas: Eugenische Rassen- und Klassenkonzepte in Italien (1883-1938). Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Zürich, 2001.
- Uwe Hossfeld: Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland. Von den Anfängen bis in die Nachkriegszeit. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08563-7.
- George L. Mosse: Die Geschichte des Rassismus in Europa (Towards the final solution”). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt/M. 2006, ISBN ISBN 3-596-16770-1.
- Soziologische Ansätze
- Walter Demel: Wie die Chinesen gelb wurden. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Rassentheorien, Bamberg 1993. DNB
- Frank Böckelmann: Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen. Eichborn, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-8218-4475-2.
- Thomas Gondermann: Evolution und Rasse. Theoretischer und institutioneller Wandel in der viktorianischen Anthropologie, transcript Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 3-89942-663-0
- Politikwissenschaftliche Ansätze
- Claus-Ekkehard Bärsch, Die politische Religion des Nationalsozialismus, 2., vollst. überarb. Aufl., München 2002, ISBN 3-7705-3172-8. (Abschnitt über „Volk“ und „Rasse“.)
- Erkenntnistheoretische Ansätze
- Friedrich Hertz: Hans Günther als Rasseforscher. Berlin 1930. DNB (Erkenntniskritischer Ansatz.)
- Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt a.M. 1974. (14. Aufl., 1997, ISBN 3-518-27696-4.)
- Frank Thieme: Rassentheorien zwischen Mythos und Tabu. Der Beitrag der Sozialwissenschaften zur Entstehung und Wirkung der Rassenideologie in Deutschland, Frankfurt a.M. 1988, ISBN 3-631-40682-7.
- Heidrun Kaupen-Haas / Christian Saller: Wissenschaftlicher Rassismus. Analysen einer Kontinuität in den Human- Naturwissenschaften. Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-593-36228-7.
- Franz Martin Wimmer: Interkulturelle Philosophie. Eine Einführung. Wien 2004, ISBN 3-8252-2470-8.
- Alfons Schanse: Evolutionäre Erkenntnistheorie und biologische Kulturtheorie. Konrad Lorenz unter Ideologieverdacht. Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3015-X. Online: Google Books
- Dirk Rupnow (Hrsg.): Pseudowissenschaft. Konzeptionen von Nichtwissenschaftlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-518-29497-0.
- Biolwissenschaftliche Ansätze
- Richard Lewontin: Menschen. Genetische, kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten (”Human diversity”). Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1986, ISBN 3-922508-80-4.
- Richard Lewontin: Die Gene sind es nicht … Biologie, Ideologie und menschliche Natur (”Not in our genes”). Psychologie-Verl.-Union, München 1988, ISBN 3-621-27036-1.
- Luigi Luca Cavalli-Sforza, Francesco Cavalli-Sforza: Verschieden und doch gleich. Ein Genetiker entzieht dem Rassismus die Grundlage (”Chi siamo”). Knaur, München 1996, ISBN 3-426-77242-6.
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation (”Geni, populi e lingue”). Dtv, München 2003, ISBN 3-423-33061-9.