Jakob Schlesinger

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Jakob Schlesinger

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Der Heidelberger Chemiker Leopold Gmelin und seine Gattin (um 1820)
Bildnis einer älteren Dame

Jakob Schlesinger auch Johann Jakob Schlesinger (* 13. Januar 1792 in Worms; † 12. Mai 1855 in Berlin) war ein deutscher Maler und Restaurator.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Johann Jakob Schlesinger wurde als Sohn des Malers Johann Adam Schlesinger (1759–1829) und dessen Ehefrau Catharina Barbara geb. Becker geboren. Der Vater, ebenfalls ein renommierter Maler, stammte aus Ebertsheim, die Mutter aus Grünstadt. Das Ehepaar lebte einige Zeit in Worms, wo auch der Sohn Johann Jakob zur Welt kam. Bald schon übersiedelte die Familie nach Grünstadt. Dort wuchs der Junge auf und erhielt seine erste künstlerische Schulung durch den regional sehr bekannten Vater, vermutlich auch durch den ebenfalls hier ansässigen Onkel (Bruder des Vaters) Johann Schlesinger (1768–1840).

Von 1809 bis 1816 besuchte Johann Jakob Schlesinger die Universität Heidelberg und setzte danach seine Ausbildung in Mannheim und München fort. In der Bayerischen Hauptstadt studierte er laut Matrikeleintrag ab 12. Mai 1819 „Historienmalerei“ an der Akademie der Bildenden Künste.[1] Wegen einer Augenkrankheit musste er jedoch sein Studium für drei Jahre unterbrechen.

Besonderes Talent entwickelte Schlesinger für das Restaurieren von Gemälden. Auf diesem Feld erwarb er sich einen bedeutenden Ruf; insbesondere widmete er sich der altdeutschen Schule. Zunächst war er hauptsächlich für die Brüder Boisserée in Heidelberg tätig; 1822 erhielt er eine Anstellung als Professor und Generalrestaurator an den königlichen Museen zu Berlin.

Jakob Schlesinger war nicht nur ein guter Maler, sondern auch ein ausgezeichneter Kopist mit einer Vorliebe für Werke aus dem 16. Jahrhundert. So reiste er 1821 nach Dresden und reproduzierte dort Raffaels Sixtinische Madonna für den Speyerer Dom. Für den Kunstverein in Karlsruhe lithographierte er 1834 die auf diesem Bild dargestellten Köpfe der heiligen Barbara und des Papstes noch einmal separat. Auch Landschaftsbildnisse sowie Frucht- und Blumenstücke sind von ihm bekannt, zwar in akademisch kühler Manier, aber überaus sorgfältig ausgearbeitet. Neben der Malerei betätigte sich Schlesinger auch in der gerade stark aufblühenden Kunst des Steindruckes, also der Lithographie, wozu die Motive seitenverkehrt in eine Steinplatte eingearbeitet werden mussten, die dann als Druckstock diente.

Das gegenwärtige bekannteste Gemälde Jakob Schlesingers ist sein hier abgebildetes Hegel-Portrait, das vielfach reproduziert wurde und auch als Druck im Handel ist. Die Kunsthistorikerin Annik Pietsch beurteilt es folgendermaßen:

„Der Maler und Restaurator Jakob Schlesinger porträtierte 1831 den Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel kurz vor dessen Ableben. In diesem überraschend nahsichtigen, unverhüllt lebendigen Bildnis beschreibt Schlesinger die Physiognomie und den Charakter Hegels prägnant. Das von Maria Hegel als „trefflich gelungen“ bezeichnete Porträt zeigt neben einem für die Zeit unüblichen Kompositionstyp vor allem eine ungewöhnliche maltechnische Realisierung des Inkarnats. Hierbei fällt im Vergleich zu Arbeiten seiner Berliner Zeitgenossen insbesondere die Trennung des Helldunkels und der Farbe im Bildaufbau, das lebhafte Farbenspiel, die plastische Modellierung der Malfarbe sowie die Sichtbarmachung des Herstellungsprozesses auf …“

Annik Pietsch über Schlesigers Hegelportrait[2]

Eine ausführliche Abhandlung von Annik Pietsch über Schlesingers Hegel-Portrait enthält das Buch: Weder Haut noch Fleisch – Das Inkarnat in der Kunstgeschichte, Berlin 2007.[3]

Jakob Schlesinger war mit Charlotte Köster verheiratet, der Schwester des Malers Christian Philipp Koester.[4]

Literatur

  • Franz Vallentin: Schlesinger, Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 54. Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 41.
  • Franz Müller, Karl Klunzinger u. A. Seubert: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Band 3. Ebner und Seubert, Stuttgart 1864, S. 463. Anklickbarer Eintrag über Johann Jakob Schlesinger.
  • Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Siedler, Berlin 1990, ISBN 3-572-10011-9, S. 154.
  • Viktor Carl: Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten. 2. Auflage, Hennig, Edenkoben 1998.
  • Annik Pietsch, in: Weder Haut noch Fleisch – Das Inkarnat in der Kunstgeschichte, hgg. von Daniela Bohde u. Mechthild Fend, Gebr. Mann, Berlin 2007.
  • Walter Lampert: 1100 Jahre Grünstadt. Stadtverwaltung Grünstadt, Grünstadt 1975, S. 383/384.

Beschreibung der “Sixtinischen Madonna” von Jakob Schlesinger, aus “Morgenblatt für gebildete Stände”, Siebzehnter Jahrgang, 1823, in 2 Teilen, Seite 633 u. 644 (jeweils den Text einfach anklicken).

Einzelnachweise

  1. Matrikel-Eintrag Jakob Schlesingers an der Akademie der Bildenden Künste München.
  2. Annik Pietsch: Der „glanzlose Seelenduft“ der Fleischfarbe – Schlesingers Hegel-Porträt, auf uni-frankfurt.de.
  3. Buchrezension mit Erwähnung des genannten Beitrags.
  4. Bildnis Kösters, gemalt von seinem Schwager Jakob Schlesinger, auf uni-heidelberg.de.

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