Giovanni Gentile

Giovanni Gentile (* 30. Mai 1875 in Castelvetrano, Provinz Trapani, Sizilien; † 15. April 1944 in Florenz) war ein italienischer Philosoph, Kulturmanager und Politiker.

Gentile wird im öffentlichen Bewusstsein vor allem Italiens als das intellektuelle Aushängeschild des Faschismus angesehen. Er war Erziehungsminister im ersten Kabinett von Benito Mussolini und hat die nach ihm benannte Schul- und Hochschulreform durchgeführt (”riforma Gentile”). Dem Faschismus hat Gentile bis zu seinem gewaltsamen Tod im Jahr 1944 die Treue gehalten.

Gentile wurde 1875 in Sizilien in kleinbürgerlichen Verhältnissen geboren. Er studierte Philosophie an der Scuola Normale Superiore in Pisa und war anschließend Gymnasiallehrer in Campobasso und Neapel, bis er im Jahr 1910 zum Professor für Geschichte der Philosophie an der Universität Palermo ernannt wurde. 1914 wechselte er an die Universität Pisa, 1917 wurde er an die Universität Rom berufen. Von 1928 bis 1932 war er kommissarischer Leiter, dann bis 1943 Direktor der Scuola Normale Superiore in Pisa. Von 1934 bis 1944 war er auch Vizepräsident der Università Bocconi in Mailand. Am 5. November 1922 wurde er zum Senator des Königreichs ernannt, wenige Tage nach seiner Berufung als Ministro della Pubblica Istruzione, dessen Aufgaben er bis zu seinem Rücktritt am 1. Juli 1924 wahrnahm, wozu ihn der „Fall Matteotti“ veranlasste.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war Gentile gemeinsam mit Benedetto Croce der Vorreiter einer intellektuellen Erneuerung des italienischen Kulturlebens. Sein Denken war geprägt von einer Mischung aus konservativ-bürgerlichem Elitarismus, Nationalismus und radikaler Ablehnung traditioneller Religion. Seine Philosophie, der “Aktualismus”, schien anfangs völlig unpolitisch. Es handelt sich um ein Gedankengebäude, das mit einer dem Idealismus Hegels entlehnten Terminologie einer von allen Regeln und Grenzen befreiten Tat den Vorrang vor allem anderen einräumt. Nach Gentiles Vorstellung vereinigen sich sämtliche Erscheinungen, sämtliche Gedanken, jedes Tun ideell in einem “reinen Akt” (”atto puro“), der Ausdruck höchster Sittlichkeit ist. Der vermeintlich unpolitische Charakter seiner Philosophie ändert sich mit Beginn des 1. Weltkriegs. Nation und Staat rücken in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und Publikationen. Gentile identifiziert schrittweise den Nationalstaat und später den faschistischen Staat, im Endergebnis den Führer dieses Staates, mit dem “atto puro”, der alles weiß und stets sittlich handelt.

Gentile schloss sich 1922 sofort dem Faschismus an und versuchte, seine Vorstellungen vom “ethischen Staat” (”Stato etico”) in die Praxis umzusetzen. Anfangs hatte er großen Erfolg und wurde als der wichtigste Intellektuelle des Faschismus gefeiert. Bekannt wurde er vor allem durch seine liberale Schulreform, die allerdings aufgrund ihres Elitarismus modifiziert wurde. Das änderte sich in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, als Mussolini sich der katholischen Kirche annäherte (Konkordat), was mit Gentiles Vorstellungen von Religion nicht in Einklang zu bringen war. Gentile blieb zwar bis in die 40er Jahre eine wichtige geistige Figur des Faschismus. Aber sein intellektueller Einfluss schwand. 1944 wurde er ermordet, wahrscheinlich von kommunistischen Partisanen. Die genauen Umstände des Attentates sind bis heute ungeklärt.

In der philosophischen und historischen Diskussion schon zu Lebzeiten und auch nach dem Tod Gentiles gehen die Einschätzungen weit auseinander. Er wird sowohl als Hegelianer und Idealist als auch als radikaler, amoralischer Aktionist bezeichnet. Kritiker betrachten seine Philosophie als die Philosophie des Faschismus; andere meinen, der Aktualismus könne auch den Kommunismus begründen. Seine Anhänger leugnen von jeher eine Verbindung zwischen der Philosophie und dem politischen Handeln Gentiles.

In Italien spielt Gentile bis heute eine Rolle, da er von rechtsextremen Parteien auch weiterhin hochgehalten wird.

Literatur

  • Gentile, G.: Philosophie und Pädagogik. Besorgt von Kurt Gerhard Fischer unter Mitarbeit von Michele Borrelli, Paderborn 1970
  • Gentile, G.: Opere filosofiche. Antologia a cura di E. Garin, Garzanti 1991
  • Der aktuale Idealismus (Giovanni Gentile, Mohr Siebeck, 1931) ISBN 3-16-814141-0
  • Sebastian Schattenfroh: Die Staatsphilosophie Giovanni Gentiles und die Versuche ihrer Verwirklichung im faschistischen Italien. Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1999 ISBN 3-631-34345-0
  • Jürgen Charnitzky: Giovanni Gentile und der Faschismus. Ein Verhältnis zwischen Kohärenz und Ambivalenz. Jahresgabe der Frankfurter Stiftung für deutsch-italienische Studien, Frankfurt 1995.
  • Jürgen Charnitzky: Neuere Studien über Giovanni Gentile. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 76 (1996), S. 510-518.

Literatur von und über Giovanni Gentile im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Seite beim italienischen Senat (ital.) mit Geburtsdatum 29. Mai 1875
  • © Dieser Artikel zu Giovanni_Gentile stammt von Wikipedia und ist lizensiert
    unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Giovanni_Gentile , die Versionsgeschichte
    und die Liste der Autoren einsehen.
    © Dieser Artikel zu des20.JahrhundertswarGentilegemeinsammitBenedettoCrocederVorreitereinerintellektuellenErneuerungdesitalienischenKulturlebens.SeinDenkenwargeprägtvoneinerMischungauskonservativ-bürgerlichemElitarismus,NationalismusundradikalerAblehnungtraditionellerReligion.SeinePhilosophie,der“Aktualismus”,schienanfangsvölligunpolitisch.EshandeltsichumeinGedankengebäude,dasmiteinerdemIdealismusHegelsentlehntenTerminologieeinervonallenRegelnundGrenzenbefreitenTatdenVorrangvorallemandereneinräumt.NachGentilesVorstellungvereinigensichsämtlicheErscheinungen,sämtlicheGedanken,jedesTunideellineinem“reinenAkt”(”attopuro“),derAusdruckhöchsterSittlichkeitist.DervermeintlichunpolitischeCharakterseinerPhilosophieändertsichmitBeginndes1.Weltkriegs.NationundStaatrückenindenMittelpunktseinerÜberlegungenundPublikationen.GentileidentifiziertschrittweisedenNationalstaatundspäterdenfaschistischenStaat,im stammt von Wikipedia und ist lizensiert
    unter GFDL. Hier können Sie den BenedettoCrocederVorreitereinerintellektuellenErneuerungdesitalienischenKulturlebens.SeinDenkenwargeprägtvoneinerMischungauskonservativ-bürgerlichemElitarismus,NationalismusundradikalerAblehnungtraditionellerReligion.SeinePhilosophie,der“Aktualismus”,schienanfangsvölligunpolitisch.EshandeltsichumeinGedankengebäude,dasmiteinerdemIdealismusHegelsentlehntenTerminologieeinervonallenRegelnundGrenzenbefreitenTatdenVorrangvorallemandereneinräumt.NachGentilesVorstellungvereinigensichsämtlicheErscheinungen,sämtlicheGedanken,jedesTunideellineinem“reinenAkt”(”attopuro“),derAusdruckhöchsterSittlichkeitist.DervermeintlichunpolitischeCharakterseinerPhilosophieändertsichmitBeginndes1.Weltkriegs.NationundStaatrückenindenMittelpunktseinerÜberlegungenundPublikationen.GentileidentifiziertschrittweisedenNationalstaatundspäterdenfaschistischenStaat,im”>Original-Artikel zu des20.JahrhundertswarGentilegemeinsammitBenedettoCrocederVorreitereinerintellektuellenErneuerungdesitalienischenKulturlebens.SeinDenkenwargeprägtvoneinerMischungauskonservativ-bürgerlichemElitarismus,NationalismusundradikalerAblehnungtraditionellerReligion.SeinePhilosophie,der“Aktualismus”,schienanfangsvölligunpolitisch.EshandeltsichumeinGedankengebäude,dasmiteinerdemIdealismusHegelsentlehntenTerminologieeinervonallenRegelnundGrenzenbefreitenTatdenVorrangvorallemandereneinräumt.NachGentilesVorstellungvereinigensichsämtlicheErscheinungen,sämtlicheGedanken,jedesTunideellineinem“reinenAkt”(”attopuro“),derAusdruckhöchsterSittlichkeitist.DervermeintlichunpolitischeCharakterseinerPhilosophieändertsichmitBeginndes1.Weltkriegs.NationundStaatrückenindenMittelpunktseinerÜberlegungenundPublikationen.GentileidentifiziertschrittweisedenNationalstaatundspäterdenfaschistischenStaat,im , die Versionsgeschichte
    und die Liste der BenedettoCrocederVorreitereinerintellektuellenErneuerungdesitalienischenKulturlebens.SeinDenkenwargeprägtvoneinerMischungauskonservativ-bürgerlichemElitarismus,NationalismusundradikalerAblehnungtraditionellerReligion.SeinePhilosophie,der“Aktualismus”,schienanfangsvölligunpolitisch.EshandeltsichumeinGedankengebäude,dasmiteinerdemIdealismusHegelsentlehntenTerminologieeinervonallenRegelnundGrenzenbefreitenTatdenVorrangvorallemandereneinräumt.NachGentilesVorstellungvereinigensichsämtlicheErscheinungen,sämtlicheGedanken,jedesTunideellineinem“reinenAkt”(”attopuro“),derAusdruckhöchsterSittlichkeitist.DervermeintlichunpolitischeCharakterseinerPhilosophieändertsichmitBeginndes1.Weltkriegs.NationundStaatrückenindenMittelpunktseinerÜberlegungenundPublikationen.GentileidentifiziertschrittweisedenNationalstaatundspäterdenfaschistischenStaat,im&action=history”>Autoren einsehen.

    Videos zum Thema giovanni-gentile

    © Dieser Artikel zu stammt von Wikipedia und ist lizensiert
    unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu , die Versionsgeschichte
    und die Liste der Autoren einsehen.