Mobilfunkanbieter

Eine Mobilfunkgesellschaft ist – als Mobilfunkbetreiber (MNO - Mobile Network Operator) – ein Unternehmen, das öffentliche Mobilfunkdienste für Privat- und Geschäftskunden anbietet. Zu diesem Zweck beantragt oder erwirbt (z. B. mittels einer Versteigerung) diese Telefongesellschaft bei staatlichen Stellen eine Sendelizenz. Anschließend baut der Lizenznehmer eine Infrastruktur (heute in den allermeisten Fällen ein GSM-Netz oder ein UMTS-Netz) auf, die ein der Lizenz entsprechendes bestimmtes geographisches Gebiet abdeckt. Die zur Verfügung gestellten Dienste werden entweder mit einer Prepaid-Karte oder mittels einer monatlichen Rechnung Postpaid, die meistens auch eine Grundgebühr beinhaltet, abgerechnet.

Hingegen haben sich weitere Mobilfunkgesellschaften auf den Wiederverkauf von Mobilfunkdiensten spezialisiert (MVNO – Mobile Virtual Network Operator, oder MVNE – Mobile Virtual Network Enabler).

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Marktanteile am regulären deutschen Mobilfunkmarkt im Jahre 2007

In Deutschland sind zurzeit (Stand Januar 2006) 9 Lizenzen zum digitalen zellulären Mobilfunk vergeben, davon je vier für die GSM- und UMTS-Netze der in Deutschland aktiven Mobilfunknetzbetreiber und eine UMTS- Lizenz von Quam. Die zehnte Lizenz der mobilcom AG wurde Ende 2003 an die Bundesnetzagentur zurückgegeben.

Der deutsche Mobilfunkmarkt wird von der Bundesnetzagentur reguliert. Die beiden großen D-Netze werden von T-Mobile und Vodafone betrieben.

Nach Daten von November 2007[1] nutzen das Mobilfunknetz von T-Mobile 34.471.000 Kunden (37 % Marktanteil), das Netz von Vodafone 32.451.000 Teilnehmer (34,9 % Marktanteil); das E-Plus-Netz wird von 14.112.000 Kunden genutzt (15,1 % Marktanteil), das O₂-Netz von 12.168.000 Teilnehmern (13 % Marktanteil). Insgesamt waren im Jahre 2007 also 93.202.000 Teilnehmer am deutschen Mobilfunk gemeldet.

Mit einem durchschnittlichen Erlös pro Kunde (Average Revenue per User - ARPU) von lediglich 25 Euro liegt man in Deutschland hinter vergleichbaren Märkten wie Österreich (ARPU 35 Euro). Das obwohl – oder eben weil – das Preisniveau in Deutschland zu den höchsten weltweit gehört.

Aufgrund der hohen UMTS-Lizenzgebühren kündigten deutsche Mobilnetzbetreiber an, diese Kosten auf die GSM-Nutzer abzuwälzen. Vergleicht man die Preisentwicklung mit anderen Märkten, so scheint dieses Vorhaben auch realisiert worden zu sein. Das Ergebnis ist sowohl für Kunden als auch Netzbetreiber nachteilig: Die Kunden verzichten großteils auf Mobiltelefonie, die Netzbetreiber generieren nur niedrige Umsätze bei einer relativ fixen Kostenstruktur.

Der überwiegende Anteil der Teilnehmer (52,8 Mio.) sind Kunden der großen Netzbetreiber. Die übrigen 18,5 Mio. sind Kunden von Anbietern ohne eigene Netzinfrastruktur, so genannte Independent Service Provider. Marktführer ist debitel mit 45,1 %, gefolgt von Mobilcom mit 24,6 %, Talkline mit 14,1 %, Drillisch mit 8,8 % und anderen. (Stand: Dezember 2004).

Eine neuere Entwicklung sind die Mobilfunk-Discounter. Sie sind ebenfalls Anbieter ohne eigene Netzinfrastruktur.

Ein kleineres Marktsegment wird von Wiederverkäufern (Reseller/Brands/MVNO) bedient. Sie treten in der Regel nicht als Provider auf. Ihre Kunden sind in der Regel über die AGB eines übergeordneten Service-Providers mit in seine Konditionen bei einem der Netzbetreiber eingebunden. Die wenigsten neuen Anbieter treten als eigene Marke/Service-Provider auf, da dies das Vorhandensein von Kundenbetreuungs-, Abrechnungs-, Prozess- und Web-Systemen erfordert. Die Brands/Marken/MVNO-Kunden jedoch werden i. d. R. über die vorhandenen Systeme eines existierenden Providers geführt, so dass der Aufwand für den Brand-/MVNO extrem gering und damit die Endkundenpreise entsprechend niedrig sein können.

Vorwahlen

Aufgrund der seit 2002 möglichen Rufnummernmitnahme ist aus den Vorwahlen der Mobilfunkteilnehmernummern nicht mehr das zugehörige Mobilfunknetz ersichtlich.

Allen Mobilfunkvorwahlen ist gemeinsam, dass sie sich aus der nationalen Verkehrsausscheideziffer 0, der Netzkennung 15 / 16 / 17 sowie der ein- bis zweistelligen Blockkennung zusammensetzen. (Bei der Netzkennung 15 ist die Blockkennung zweistellig, sonst einstellig.)

Die Vorwahlen sind von der Bundesnetzagentur wie folgt vergeben:[2]

  • T-Mobile: 01511, 01512, 01514, 01515, 0160, 0170, 0171, 0175
  • Vodafone: 01520, 01522, 01525, 0162, 0172, 0173, 0174
  • E-Plus: 01577, 01578, 0163, 0177, 0178,
  • O2 (Germany): 0176, 0179
  • vistream: 01570
  • Ring Mobilfunk GmbH: 01575
  • Quam: 01505

Nach dem deutschen Wahlsystem macht es keinen Unterschied, welcher Teil einer Telefonnummer Vorwahl und welcher Teil Rufnummer ist. Daher kann die deutsche T-Mobile Gesellschaft als Vorwahl die 0151 angeben und bei neu vergebene Rufnummern aus diesem Bereich auf den Registrierungsbestätigungen auch derart ausweisen.

Netzzugehörigkeit ermitteln

Das tatsächliche Netz für eine Rufnummer kann über die Mobilfunkbetreiber telefonisch ermittelt werden. Dazu wählt man je nach eigenem Netzanbieter/Provider eine der folgenden Nummer und gibt dann Vorwahl und Rufnummer des betreffenden Anschlusses ein:

  • Telekom Festnetz: 01805-001133 (14 Cent pro Minute/Festnetz Dt. Telekom)
  • T-Mobile: Anruf 4387 (netzintern kostenlos) oder SMS mit Rufnummer an Kurzwahl 4387 (Kosten: 19 Cent pro SMS)
  • Congstar: Anruf 4387 (netzintern kostenlos)
  • Vodafone: Anruf 12313 (netzintern kostenlos)
  • E-Plus: Anruf 10667 (netzintern kostenlos)
  • O₂: SMS mit „NETZ Rufnummer“ an Kurzwahl 4636 (netzintern kostenlos)
  • Talkline und Debitel bieten zudem eine Abfrage über ihre Internetseite an
  • simyo: Anruf 2145 (netzintern kostenlos)
  • Arcor: Anruf 0800-5052090 (kostenlos / auch für nicht-Arcor-Kunden erreichbar)

Der Provider kann über die Rufnummern der Netzanbieter nicht ermittelt werden.

Marktforschung

Seit dem 3. Quartal 2006 gibt es in Deutschland mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Im 2. Quartal 2008 waren es bereits mehr als 100 Millionen Anschlüsse. Zahlen von mehr als 100 % Marktdurchdringung ergeben sich durch zahlreiche Zweithandys und Mobilfunkkarten für Notebooks.

Nach einer im Juni 2005 durchgeführten Studie wird der Mobilfunk gleichermaßen von Männern wie Frauen genutzt. Unterschiede gab es jedoch hinsichtlich des Alters und der Schulbildung der Mobilfunknutzer: Bei den 14- bis 34-Jährigen verfügten 93 % über ein Handy, bei den über 65-Jährigen waren es nur noch 31 %. Während 85 % der Abiturienten und Universitätsabsolventen ein Mobiltelefon besaßen, waren es bei den Hauptschulabsolventen nur 55 %. Etwa 30 % der Einwohner in Deutschland besaßen kein Handy.

Österreich

Am 16. Oktober 2004 startete in Österreich das Zeitalter der mobilen Rufnummermitnahme, seitdem haben etwa 5 % der Kunden ihre Rufnummer zu einem anderen portieren lassen, sodass sich bei diesen an der Vorwahl nicht mehr der Anbieter ablesen lässt.[3]

Marktanteile am österreichischen Mobilfunkmarkt (Stand: 2Q/2008, gem. Daten RTR Telekom Monitor 4Q/2008)

Österreichische Mobilfunkgesellschaften mit eigenem GSM- und UMTS-Netz, inkl. vorangestellter Vorwahl für das Netz:

VorwahlMarkeUnternehmungEigentümerBemerkungen
0664A1Mobilkom AustriaTelekom AustriaKooperationsabkommen mit Vodafone
0676T-MobileT-Mobile AustriaDeutsche Telekomvormals max.mobil, Teil der T-Mobile-Gruppe
0699OrangeOrange AustriaMid Europa Partners (65%),
France Télécom
vormals one (davor Connect Austria), Teil der Orange-Gruppe


Mobilfunkgesellschaften mit eigenem UMTS und HSDPA-Netz:

VorwahlMarkeUnternehmungEigentümerBemerkungen
06603Hutchison 3G AustriaHutchison WhampoaTeil der 3-Gruppe


Anbieter von Mobilfunktarifen ohne eigene Netzinfrastruktur, so genannte Reseller/Brands:

VorwahlMarkeUnternehmungKapitalbeteiligungBemerkungen
0699/81YESSS!YESSS!Orange AustriaVertrieb Hofer
0681/83eetyeety
MobileCall, YouMobile, VINMOBILEMITACSCallthrough-Service. Es besteht ein Netznutzungsvertrag mit T-Mobile.


Unechte Mobilfunkgesellschaften: Wirtschaftlich und technisch gesehen keine Anbieter, sondern lediglich Marken von Mobilfunkgesellschaften. Oft fälschlich als eigenständige Anbieter von Mobilfunktarifen verstanden:

VorwahlMarkeUnternehmungBemerkungen
0650tele.ringT-Mobile Austriavormals zu Western Wireless gehörend (hatte vor der Übernahme ein eigenes Netz, welches in jenes von T-Mobile integriert wurde). Heute Marke der T-Mobile, oft fälschlich als eigener Anbieter bezeichnet.
0688Tele2Mobilkom AustriaMobilfunksparte von Tele2 wurde an die Telekom Austria verkauft, welche sie wiederum in das Mobilfunknetz der Mobilkom Austria integriert.
0680bobMobilkom AustriaEin MVNO mit eigenen Netzkennungen und Marke der Mobilkom Austria AG



Zwischen Mobilkom Austria und dem Mobilfunkunternehmen 3 besteht ein so genanntes “National Roaming“-Abkommen. In Regionen, wo 3 noch kein UMTS-/HSDPA-Netz aufgebaut hat, kommunizieren 3-Kunden über das GSM-Netz von Mobilkom Austria.

Auch in Österreich gibt es die Nummernportierung, d. h. die bisherige Nummer kann bei einem Providerwechsel mitgenommen werden. Eine Nummer mit Vorwahl 0664 kann also durchaus auch zu 3 gehören. Als Anrufer weiß man dadurch aufgrund der Vorwahl einer Nummer nicht mehr mit Bestimmtheit, in welches Netz man anruft. Weicht das Zielnetz von der gewählten offiziellen Netzvorwahl ab, nennt aber eine Bandansage das tatsächliche Zielnetz.

Auf dem Mobilfunk-Markt herrscht starker Preisdruck und somit ist er einer der am härtesten umkämpften in Europa. Zudem ist die Marktsättigung (Anteil der Handybesitzer in Relation zur Bevölkerung) in Österreich sehr hoch: Statistisch gesehen 112 Prozent (da manche Mobilfunkkunden mehrere Handys besitzen und auch weil die Mobilfunkgesellschaften auch kaum genutzte SIM-Karten als “aktive” Kunden angeben). Aber auch die Summe der telefonierten Minuten im Mobilfunk übersteigt mittlerweile jene derer im Festnetz. Die Anbieter kämpfen daher nicht um Neukunden, sondern um die Kunden der jeweiligen Konkurrenten. Deswegen gilt es als unwahrscheinlich, dass sich langfristig alle Betreiber etablieren können.

Eine erste Konsolidierung trat im August 2005 durch den Aufkauf der viertgrößten Mobilfunkgesellschaft tele.ring durch die Nummer Zwei des Marktes, T-Mobile Austria, ein.

Schweiz

Marktanteile am schweizer Mobilfunkmarkt

siehe auch: Hauptartikel Schweizer Mobilfunkmarkt

Vorwahlen* der Mobilfunkbetreiber:

Vorwahlen* der Provider:


* Vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) zugewiesene Netzvorwahl, die von den Mobilfunkbetreibern bzw. Providern bei der Aufschaltung von neuen Nummern vergeben wird. Aufgrund der Rufnummernportabilität kann seit dem 1. Mai 2000 die Vorwahl nicht mehr eindeutig einem Anbieter zugeordnet werden.

Liechtenstein

Im Fürstentum Liechtenstein gibt es vier GSM-Mobilfunknetze:

Netzcode
Name auf Display
Unternehmung
Mutterkonzern
295-01Swisscom FLSwisscom LiechtensteinSwisscom
295-02Orange FLOrange LiechtensteinOrange (Marke der France Télécom)
295-05FL1Mobilkom LiechtensteinMobilkom Austria
295-77LI TANGOTango LiechtensteinBelgacom

Luxemburg

In Luxemburg gibt es drei Mobilfunk-, Festnetz- und Internetanbieter:

(+352) 621x L1 LUXGSM
(+352) 691x L2 Tele2Tango
(+352) 661x L3 Orange (ehem. VoxMobile)

Belgien

In Belgien gibt es drei GSM/UMTS-Mobilfunknetze:

Netzcode
Unternehmung
Mutterkonzern
047xProximusBelgacom
049xMobistarOrange (Marke der France Télécom)
048xBASEKPN

Aufgrund der Rufnummernportabilität kann die Vorwahl nicht immer eindeutig einem Anbieter zugeordnet werden.

Einzelnachweise

  1. bundesnetzagentur.de: Entwicklung Marktanteile Netzbetreiber
  2. Bundesnetzagentur: Nummernraum für das öffentliche Telefonnetz
  3. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Oesterreich-Streit-um-Nummerportierung-auch-5-Jahre-nach-dem-Start-831870.html

Statistiken zu den deutschen Mobilfunkgesellschaften von der Bundesnetzagentur

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