Migros

Dieser Artikel befasst sich mit dem Schweizer Unternehmen. Für das türkische Unternehmen, siehe Migros (Türkei).
Migros-Genossenschafts-Bund
UnternehmensformGenossenschaft
Gründung1925
UnternehmenssitzZürich, Schweiz
Unternehmensleitung

Herbert Bolliger
(CEO)
Claude Hauser
(Präsident)

Mitarbeiter

82′712 (2007)

Umsatz

25,724 Mrd. CHF (2008)

BrancheHandelskonzern
Website

www.migros.ch

Migros [ˈmiɡro] (weiblich, da Kurzform von Migros-Genossenschaft z. T. umgangssprachlich auch männlich (Migros-Laden) oder sächlich (Migros-Geschäft)) ist das grösste Detailhandelsunternehmen in der Schweiz. Das Unternehmen ist in allen Kantonen und im grenznahen Ausland vertreten.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen

Migros-Hochhaus am Zürcher Limmatplatz

Die Migros wurde 1925 von Gottlieb Duttweiler in Zürich gegründet. Der Name widerspiegelt die ursprüngliche Positionierung des Unternehmens, als preislich in der Mitte zwischen en-gros (Grosshandel) und en-détail (Detailhandel) liegend; «mi-gros» («Mittelhandel») spielte auf die beinahe-Engros-Preise der angebotenen Produkte an.

Das Logo der Migros ist ein gross geschriebenes M – respektive der Schriftzug MIGROS in Versalschrift – in oranger Farbe. Das Unternehmen wird daher häufig als «oranger Riese» bezeichnet.

Organisation

Migros ist ein Konglomerat verschieder Genossenschaften, Aktiengesellschaften und Stiftungen, das sich zusammenfassend als «Migros-Gemeinschaft» bezeichnet. Der Konzern wird nach Aussen durch den in Zürich ansässigen Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) vertreten, dem Verband der regionalen Migros-Genossenschaften; der MGB ist rechtlich eine Genossenschaft, die sich gemäss Artikel 921–925 des schweizerischen Obligationenrechts als Genossenschaftsverband qualifiziert.

Der MGB wurde 1941 von den regionalen Genossenschaften als Tochterunternehmen gegründet. Die heutigen zehn Genossenschaften sind alleinige Eigentümer des MGB, dessen Anteilscheine sie besitzen. Die Genossenschaften sind autonom, erstellen eigenständige Jahresabschlüsse und besitzen im Kerngeschäft, dem Detailhandel unter dem Namen Migros, uneingeschränkte Flächen- und Personalhoheit. Grundsatzentscheide bezüglich des Kerngeschäfts können daher de facto immer nur im Konsens getroffen werden.

Die regionalen Genossenschaften sind im Eigentum der im Tätigkeitsgebiet wohnhaften Mitglieder; da jede natürliche Person respektive jeder Haushalt Genossenschafter und damit formal Miteigentümer einer Migros-Genossenschaft werden kann, ist das Unternehmen in der Bevölkerung breit abgestützt.

Die Organe einer regionalen Genossenschaft sind der Genossenschaftsrat und die Verwaltung; aus diesen wird die 111-köpfige Delegiertenversammlung des MGB bestellt, die aus 100 Mitgliedern aus den Genossenschaftsräten und zehn Mitgliedern aus den Verwaltungen, sowie einem DV-Präsidenten besteht. Die Verwaltung des MGB besteht aus einem mindestens 21-köpfigen Verwaltungsrat, der sich aus einem VR-Präsidenten, zehn Vertretern der Genossenschaften, zwei Personalvertretern und sieben bis neun externen Mitgliedern zusammensetzt. Die für die Geschäftsleitung zuständige Generaldirektion des MGB besteht aus sieben Personen, dem GD-Präsidenten und sechs GD-Mitgliedern, die jeweils einem der sechs Departemente vorstehen.

Generaldirektion

Die Generaldirektion bildet die operative Geschäftsleitung des MGB. Sie ist die oberste Leitungsstufe sämtlicher Tochterunternehmen von Migros und der direkt untergeordneten Stiftungen, allerdings nicht der zehn Genossenschaften, die autonome Geschäftsleitungsstrukturen auf der Genossenschaftsebene besitzen. In diese kann die Generaldirektion nur indirekt Einfluss nehmen, als reine Koordinationsstelle zwischen den Genossenschaften, die Entscheidungen im Konsens treffen müssen.

Die höchste Position in der Direktion wird klassisch als Präsident der Generaldirektion bezeichnet, allerdings wird mittlerweile in den Medien häufig auch die als universell empfundene, englischsprachige Bezeichnung Chief Executive Officer (CEO) portiert. Der GD-Präsident wird vom Verwaltungsrat ernannt und muss von der Delegiertenversammlung als Mitglied des Verwaltungsrats bestätigt werden.

Die übrigen sechs Mitglieder der Generaldirektion werden formal auch vom Verwaltungsrat eingesetzt, allerdings lässt dieser in der Regel dem Generaldirektor freie Hand bei der Neubesetzung von Vakanzen und bestätigt bestehende Mitglieder faktisch nur mit dessen Zustimmung. Die Mitglieder der Generaldirektion werden als Leiter eines Departements eingestellt; letztere bilden dabei Funktionseinheiten des Gesamtkonzerns, welche die Genossenschaften intern als Dienstleister (Marketing, Zulieferer) unterstützen.

Die Generaldirektion setzt sich Ende des Berichtsjahres 2008 wie folgt zusammen:

NameJahrgangFunktionim Amt
Herbert Bolliger1953Präsident der Generaldirektionseit 2005
Gisèle Girgis1949Departement I (HR, Kulturelles und Soziales, Freizeit)seit 1998
Oskar Sager1956Departement II (Marketing)seit 2008
Andreas Münch1957Departement III (Logistik und Informatik)seit 2008
Walter Huber1957Departement IV (Industrie)seit 2008
Joerg Zulauf1958Departement V (Finanzen)seit 2000
Ernst Dieter Berninghaus1965Departement VI (Handel)seit 2008

Als Vizepräsident der Generaldirektion fungiert der Leiter des Finanz-Departements; die sechs Departementsleiter bekleiden zudem in der Regel die Funktion des Verwaltungsratspräsidenten der ihnen direkt unterstellten Aktiengesellschaften des MGB.

Als Delegierte des Bundesrats ist Gisèle Girgis im Nebenamt Direktorin des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), einem Bereich des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD).

Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat bildet die Verwaltung und strategische Geschäftsleitung des MGB. Sie legt die Ziele des Gesamtkonzerns fest, wählt die Generaldirektion, welche die operative Geschäftsleitung verkörpert, und ist oberste Bewilligungsinstanz bezüglich der Organisation des MGB.

Der mindestens 21-köpfige Verwaltungsrat besteht aus internen Mitgliedern, die innerhalb der Migros-Gemeinschaft angestellt sind und sieben bis neun externen Mitgliedern. Die VR-Mitglieder werden jeweils von der bestehenden Verwaltung ausgewählt und zur Wahl vorgeschlagen; die Delegierten haben aber zumindest formal das Recht, selbst Kandidaten vorzuschlagen. Von der Delegiertenversammlung wird dann die Verwaltung auf eine grundsätzlich fixe Amtszeit von vier Jahren gewählt.

Die höchste Stelle ist der Präsident der Verwaltung, festen Einsitz im Verwaltungsrat haben zudem der Präsident der Generaldirektion, der den MGB im Verwaltungsrat vertritt, sowie je ein Vertreter der zehn regionalen Genossenschaften; in der Regel übernimmt der Geschäftsleiter der jeweiligen Genossenschaft diesen Sitz, der formal allerdings auch einem Mitglied der Verwaltung oder des Genossenschaftsrat offen steht. Zwei Mitglieder werden als Mitarbeitervertreter gewählt, wovon einer beim MGB angestellt sein muss.

Der aktuelle Verwaltungsrat umfasst 23 Personen und ist für die Amtsdauer vom 1. Juli 2008 bis zum 30. Juni 2012 gewählt.

Genossenschaften

Den Kern von Migros bilden die regionalen Genossenschaften. Seit 1998 existieren zehn Genossenschaften (mit Hauptsitz):

Die traditionell grösste (nach Anzahl Genossenschafter und Umsatz) der ehemals zwölf Genossenschaften war Zürich. In zwei Fusionen wurde 1998 die Anzahl Genossenschaften von zwölf auf die heutigen zehn reduziert, dabei entstanden die beiden grossen Genossenschaften Migros Aare und Migros Ostschweiz. Vier Genossenschaften in ihrer alten Form sind dadurch verschwunden:

  • Genossenschaft Migros Aargau/Solothurn, Suhr – Teil von Migros Aare
  • Genossenschaft Migros Bern, Moosseedorf – neu Migros Aare
  • Genossenschaft Migros Winterthur/Schaffhausen, Winterthur – Teil von Migros Ostschweiz
  • Genossenschaft Migros St. Gallen, Gossau SG – neu Migros Ostschweiz

Geschichte

Gottlieb Duttweiler war ein Pionier und Visionär mit dem Ziel, den Lebensmittelhandel zu revolutionieren. Am 25. August 1925 fuhren die ersten Ford T-Verkaufswagen von Migros in Zürich aus. Migros erhielt von den Hausfrauen - dank Tiefpreisen - sofort Zuspruch. Seit 1928 stellt Migros auch Eigenprodukte her, das erste war ein Süssmost, von der neu zugekauften «Alkoholfreie Weine AG».

Angestammte Lebensmittelhändler fühlten sich attackiert. So versuchten sie zusammen mit Parteien, Politikern und Gewerkschaften, Migros zu ruinieren. Die Konsumenten jedoch erkannten den Wert von Migros und diese war immer erfolgreicher. Kurz darauf expandierte Migros in anderen Kantonen und eröffnete – neben den Verkaufswagen – auch Läden.

In einigen Kantonen wurde Migros daraufhin durch politische Beschlüsse für Jahre bzw. Jahrzehnte verboten.

Das bremste jedoch den Erfolg von Migros nicht. 1935 gründete Migros ein Reisebüro, Hotelplan (abgekürzt: Hopla) und 1937 einen Giro-Dienst. 1936 gründete Gottlieb Duttweiler eine eigene politische Partei, den Landesring der Unabhängigen (LdU). Die Partei hatte den Übernamen Migros-Partei.

Die ursprüngliche Aktiengesellschaft wurde 1941 in eine Genossenschaft umgewandelt. 1942 wurde die Migros-Zeitschrift Brückenbauer lanciert; seit 2004 heisst die Zeitschrift Migros-Magazin. Dieses ist heute eine der auflagenstärksten Zeitschriften der Schweiz. Jeder Genossenschafter - dessen Beitritt umsonst ist - erhält das Migros-Magazin gratis. 1944 wurden die Migros-Klubschulen gegründet, mit dem Ziel, Weiterbildung für das Volk zu günstigen Konditionen zu ermöglichen. Heute sind diese Klubschulen eine der erfolgreichsten Institutionen in der Erwachsenenbildung.

1948 lancierte Migros in einem Pionierakt Selbstbedienungsläden nach der Idee von Elsa Gasser, einer polnischen Emigrantin, die Duttweiler als promovierte Nationalökonomin beriet. Anfangs der 1950er Jahre führte Migros Restaurants ein, bot auch Non Food-Artikel an und gründete die Buchhandlung Ex Libris. Seit 1954 hat Migros eine eigene Tankstellenkette, Migrol genannt. Diese bot Benzin günstiger an als die Konkurrenz. 1957 wurde Migros Kulturprozent ins Leben gerufen: 1% des Umsatzes investierte Migros in Kultur und Weiterbildung. 1957 stieg Migros mit der Migrosbank in das Bankwesen ein. Das später selbständig gewordene Tochterunternehmen Migros Türk wurde 1954 gegründet. Ein Jahr später hatte Migros eine eigene Versicherung, die Secura. Diese wurde 1999 an Generali verkauft, die sie per 2000 mit Schweizer Union und Fortuna zur Generali Schweiz fusionierte.

Ein wichtiger Punkt war die Einführung der Produktedeklaration und das Angeben des Haltbarkeitsdatums im Jahre 1967. Das geschah unter dem Begriff migros-data. 1974 führte Migros das M-Sano ein, einen Vertreter der integrierten Produktion.

1979 wurde der damalige Vizedirektor und Leiter des Gottlieb Duttweiler Institut, Hans A. Pestalozzi wegen radikaler Ideen vom damaligen Chef Pierre Arnold fristlos entlassen. 1980 erzwang Pestalozzi mit der Bewegung M-Frühling eine kurzzeitige Öffnung von Migros und freie Wahlen.

1986 führte Migros das erste Freizeit-Center ein, den Säntispark in Abtwil SG. 1993 expandierte Migros in das grenznahe Ausland nach Österreich (nach vier Jahren wieder eingestellt) und Frankreich. Die erste Filiale in Deutschland wurde 1995 durch die Genossenschaft Migros Basel in Lörrach eröffnet.

1997 übernahm Migros die Globus-Gruppe, bestehend aus der namengebenden Warenhauskette «Magazine zum Globus», der inzwischen aufgegebenen Warenhauskette «ABM Au Bon Marché», den «Herren Globus»-Bekleidungsgeschäften, den Interio-Einrichtungshäusern und den «Office World»-Bürofachmärkten. Am 12. Januar 2007 gab der Migros-Genossenschafts-Bund die 70%-Übernahme des Denner-Aktienkapitals bekannt. Die Übernahme wurde am 4. September 2007 durch die Wettbewerbskommission unter diversen Auflagen[1] genehmigt.[2]

2007 führte Migros als erstes grösseres Schweizer Unternehmen einen Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen ein. Im gleichen Jahr hat Migros Aare das neue Nahversorgungskonzept VOI lanciert, das bei der Kundschaft auf grosse Akzeptanz stösst.

Detailhandel

Kerngeschäft von Migros ist der «Genossenschaftliche Detailhandel», verkörpert durch die Migros-Filialen der zehn regionalen Genossenschaften. Zu diesem Geschäftssegment, das gut 60% des Konzernumsatzes erzielt, gehören neben den Supermärkten auch verschiedene Fachmärkte und Gastronomiebetriebe.

Eine Eigenheit der klassischen, «orangen» Migros-Standorte ist der Verzicht auf den Verkauf von Alkohol und Tabakwaren. Das von Gründer Duttweiler unter der Bezeichnung «Volksgesundheit» formulierte Prinzip, gründet auf dessen Ansicht, dass der Absatz sogenannter Genussmittel nicht preislich gefördert werden soll; es ist in den Statuten der regionalen Genossenschaften festgeschrieben. Nicht unter dieses Prinzip fallen allerdings die MGB-Tochterunternehmen (Geschäftssegment «Handel»), die selbständigen «Detaillisten mit Migros-Produkten» und die Franchisebetriebe mit eigenständigem Marktauftritt («Migrolino» und «Voi»).

Migros-Supermärkte

Dem ersten Jahr, als Migros nur aus Verkaufswagen bestand, folgte schon 1926 der erste bediente Laden in Zürich. Letztere Vertriebsform wurde schliesslich durch die 1948 lancierten Selbstbedienungsläden vollständig verdrängt. In den 1960ern begann in der Schweiz der Bau von Einkaufszentren, an dem sich auch Migros aktiv beteiligte.

Als indirekte Folge davon entwickelte Migros ein einfaches Benennungssystem für die Filialen der Genossenschaften, welches die Grösse der Standorts und den Umfang des Sortiments andeutet. Ein M-Migros (durchschnittlich 650 m²) ist ein eher kleiner Lebensmittelladen, der als Nahversorger Waren des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Hygiene) führt; eine MM-Migros (durchschnittlich 2′250 m²) hat eine grössere Auswahl an Lebensmitteln sowie ein breites Non-Food-Angebot und umfasst häufig auch eine Bäckerei, ein Restaurant, einen Take-Away oder einen Fachmarkt. Ein MMM-Migros (durchschnittlich 8′500 m²) bietet praktisch die gesamte Produktepalette von Migros an und findet sich in der Regel in Einkaufszentren an guten Verkehrslagen.

Zur Steigerung der Standortattraktivität der «orangen» Filialen wurde an konzerneigenen Standorten (Liegenschaften, Einkaufszentren) früh mit der Vermietung von Verkaufsflächen an kleinere Einzelhandelsunternehmen mit stark komplementärem Sortiment an Genussmitteln – namentlich Tabakwaren und Alkohol – begonnen. Früher bevorzugt an Pick Pay vermietet, wurden diese Standorte Anfang 2006 von Denner «geerbt» – seit 2007 ein Tochterunternehmen des MGB.

Migros-Fachmärkte

Die ersten Migros-Fachmärkte entstanden als etwas abgetrennte Abteilungen innerhalb der grossen Supermarkt-Standorte (MM und MMM), denen aufgrund des Platzbedarfs schnell auch räumlich komplett getrennte Verkaufslokale folgten. Als Abteilungen der Supermärkte lanciert, werden die Fachmärkte weiterhin von den regionalen Genossenschaften geführt; das trifft auch auf die Neulancierungen Obi und SportXX zu, die entgegen ersten Absichten nicht von gesonderten Fachmarkt-Tochterunternehmen geleitet werden.

  • Do it + Garden Migros (Baumarkt)
  • M-Electronics (Elektronik-Fachmarkt)
  • Micasa (Einrichtungsfachhandel)
  • Obi (Baumarkt, Schweizer Obi-Lizenznehmer)
  • SportXX (Sportartikel und -bekleidung)

Migros-Gastronomie

Migros verfügt über zahlreiche Gastronomiebetriebe, die je nach Grösse und Lage den Migros-Läden angeschlossen sind. Dazu zählen die in Selbstbedienung geführten Migros-Restaurants, die Verkaufsstände Migros-Gourmessa und Migros Take Away sowie Migros Party-Service als Lieferservice. Darüber hinaus werden auch die Formate Cha chà (Franchising-Betriebe), Coffee & Time (Café) und Sessibon (Restaurant und Take Away) geführt.

Auslandaktivitäten

Seit 1992 ist Migros auch ausserhalb der Schweiz aktiv und unterhält einige Standorte in Frankreich und Deutschland an der Grenze zur Schweiz. Das Deutschlandgeschäft wird von der Genossenschaft Migros Basel über die Tochtergesellschaft Migros Deutschland GmbH mit Sitz in Lörrach geleitet. Neben dem 1995 eröffneten Standort in Lörrach, wurden im Rahmen eines mehrjährigen Marktversuchs je eine Filiale in Bad Säckingen (2001) und Freiburg im Breisgau (2002) eröffnet. Der Standort Bad Säckingen wurde im April 2008 wegen mangelnder Rentabilität aufgegeben. An seinen Expansionsplänen, in den nächsten Jahren in Deutschland mindestens zehn Migros-Frischmärkte in Kerneinzugsgebieten von mindestens 50′000 Einwohnern zu eröffnen, hält Migros jedoch fest.[3] Als weiteren Standort eröffnete sie Mitte September 2008 eine Filiale in Reutlingen.

Franchising

Während in den frühen Jahren der Verkauf von Eigenmarken-Produkten durch Migros aus der Not heraus geschah, gibt es mittlerweile den umgekehrten Fall, dass selbständige Unternehmer – in verschieden stark ausgeprägter Zusammenarbeit mit Migros – ein begrenztes Migros-Sortiment führen. Die Belieferung dieser Läden erfolgt durch die jeweilige Genossenschaft, wobei sich folgende Varianten durchgesetzt haben:

  • avec (Cevanova AG) / migrolino (Migrol AG)
  • Detailist mit Migros-Produkten (DMP)
  • VOI – Migros Partner (Kleinläden der Genossenschaft Migros Aare)

Die älteste Variante sind die «DMP», die als selbständige Detailisten arbeiten und von Migros nur einzelne Produkte beziehen; selbst bei der Preisgestaltung der Migros-Produkte sind die DMP frei.

Als eigentliches Franchising wurde schliesslich avec zusammen mit Valora und den SBB lanciert; das Gemeinschaftsunternehmen Cevanova schloss dafür jeweils Franchiseverträge mit privaten Pächtern ab, die Läden an Bahnhöfen und Tankstellen betrieben. Das Joint Venture wurde Mitte 2008 aufgelöst und die Cevanova-Standorte hälftig zwischen Valora und Migros aufgeteilt; während Valora den Namen avec weiterverwenden wird, sollen aus den Migros-Standorten mittelfristig migrolino entstehen.

Das von Migros Aare eingeführte VOI-Ladenkonzept[4] ist ebenfalls ein Franchisebetrieb; besonders kleinräumige M-Filialen, die der Quartier- respektive Dorfversorgung dienen, sollen dabei nach Möglichkeit von der bisherigen Belegschaft als Franchisenehmer übernommen und auf eigene Rechnung betrieben werden. Das entspricht stark dem DMP-Konzept, allerdings mit einem regional einheitlichen Auftritt unter der gemeinsamen Franchise-Marke. Einen Schwerpunkt bei VOI bilden Produkte aus der Region.

Handel

Im Gegensatz zu den genossenschaftlichen Migros-Fachmärkten, wurden 2008 eine Reihe selbständig auftretender MGB-Tochterunternehmen im neuen Departement VI (Handel) zusammengefasst. Gemeinsames Merkmal dieser Unternehmen ist, dass sie als – meist zugekaufte – eigenständige Marken am Markt auftreten; entsprechend kommt bei diesen Unternehmen auch Duttweilers Prinzip der «Volksgesundheit» (Verzicht auf den Verkauf von Alkohol und Tabak) nicht zur Anwendung.

Migros-Industrie

Die Unternehmensgruppe Migros-Industrie umfasst die Produktionsbetriebe der Migros-Gemeinschaft. Durch die politisch motivierte Lieferverweigerung diverser Hersteller in den Anfangsjahren von Migros war das Unternehmen gezwungen, ein eigenes Herstellernetz aufzubauen. Weitere Fabriken wurden von Migros gekauft. Dadurch konnte Migros günstig eine eigene Produktpalette herstellen. Erst in jüngerer Zeit sind Markenprodukte in grösserer Auswahl erhältlich. Produkte der Migros-Industrie werden, oft unter anderen Markennamen, auch ins Ausland exportiert.

Zu den wichtigsten Produktionsbetrieben gehören:

Teigwaren, Senf

Produkte der Migros-Industrie für den Export werden von der Swiss Delice AG in Suhr vertrieben. Insbesondere Milchprodukte, Schokolade, Gebäck und Kartoffelprodukte werden unter dem gleichnamigen Label exportiert.

Daneben ist Migros mit einigen Unternehmen enge Partnerschaften eingegangen. Solche Firmen sind meist kleine oder mittelgrosse Familienunternehmen, welche für den Detailhandel in der Schweiz Migros exklusiv mit Eigenmarken beliefern, in anderen Bereichen (Grosshandel, Ausland) weiterhin unabhängig und unter eigenem Namen auftreten. Dazu gehören etwa der Uhrenhersteller Mondaine, Hustenbonbons-Produzent F. Hunziker + Co AG in Dietikon und die Haco AG in Gümligen, welche die Farmer-Stängel produziert.

Grosshandel

Die Migros-Gruppe ist im Grosshandel mit folgenden Unternehmen aktiv:

Weitere Sparten

Tourismus

Im Tourismusbereich tritt die Migros-Gruppe unter folgenden Namen auf:

mit den Marken Globus Reisen, Travelhouse, Esco, Hotelplan und Tourisme Pour Tous, Migros Ferien, Denner Reisen sowie FCm
  • Interhome (Ferienhaus- und Ferienwohnungs-Vermittlung)
  • Travelwindow.ch (Online-Reisen)
  • Belair Airlines (Fluggesellschaft, Ferienflüge)

Weitere Dienstleistungen

Die Migros-Gruppe verfügt mit der Migros Bank über eine eigene Bank und mit der Migros-Pensionskasse über eine der grössten Pensionskassen der Schweiz und wichtige Immobilienbesitzerin. Die Limmatdruck bildet das Kompetenzzentrum für Medien und Verpackungen.

Weitere Dienstleister der Migros-Gruppe sind das Gottlieb Duttweiler Institut als Denkfabrik sowie im Bereich Qualitätssicherung die Swiss Quality Testing Services.

Kultur und Bildung

Das Herzstück bildet hier als grösste Erwachsenenbildungs-Institution der Schweiz die Klubschule Migros. Daneben beinhaltet der Bereich Kultur und Bildung der Sprachreiseanbieter Eurocentres sowie das Migros Museum für Gegenwartskunst. Finanziert werden diese Aktivitäten durch das «Migros-Kulturprozent» aus den Konzerneinnahmen. Dieser wurde 1957 ins Leben gerufen: Ein Prozent des Umsatzes wird von Migros jedes Jahr in Kultur und Weiterbildung investiert.

Medien

Wichtigste Publikation bildet das wöchentlich erscheinende Migros-Magazin, das auf Deutsch, Französisch und Italienisch (Azione) veröffentlicht wird. Daneben gibt Migros auch das monatlich erscheinende Kochmagazin Saisonküche in den drei Landessprachen heraus.

Freizeit und Sport

Migros führt auch mehrere Freizeit- und Sportbetriebe, dazu zählt die Fitness- und Wellnesskette Fitnesspark, verschiedene Parkanlagen unter dem Namen Park im Grünen sowie mehrere Golfplätze.

Zahlen & Fakten

Die Zahlen und Fakten der Migros-Gruppe des Jahres 2008 (in Klammern die Veränderung gegenüber dem Vorjahr):

  • Umsatz (2008): CHF 25,750 Mrd. (+ 13,5 %)
  • Gewinn: CHF 701 Mio. (- 12,5 %)
  • Angestellte: 84′096 Personen (+ 1,7 %)
  • Eigenkapital: CHF 12,258 Mrd. oder 25,1 % der Bilanzsumme (+ 5,3 %)
  • Filialnetz (2008): 601 Standorte (inkl. Fachmärkte und Ausland) (+ 12)

Aufteilung Migros-Lebensmittelmärkte in der Schweiz nach Store-Formaten (2008):

  • 291 M-Migros (durchschnittlich 650 m²)
  • 210 MM-Migros (durchschnittlich 2′250 m²)
  • 38 MMM-Migros (durchschnittlich 8′500 m²)
  • 44 Fachmärkte und M-Parcs
  • 14 Spezialläden
  • 4 Gastronomiebetriebe (eigenständig)
  • 189 M-Restaurants (in Ladenmärkten integriert)

Produktelinien, Labels und Programme

M-Budget, M-Classic und Migros Sélection

M-Budget Logo

1996 lancierte Migros die Billiglinie M-Budget. Anfangs waren es 70 Produkte. Bis 2006 wurde das Sortiment auf 500 M-Budget-Produkte erweitert. «Die M-Budget-Produkte sollen möglichst billig aussehen», lautete der Auftrag an die Verpackungsdesigner. Sie verzichteten deshalb auf kreative Extravaganzen und präsentierten eine rein grafische Lösung, die sich mit Grün, Weiss, ein wenig Schwarz und Orange sowie dem Migros-Logo begnügt. Zur Zeit wird aber das Sortiment an M-Budget-Produkten wieder reduziert, da viele Produkte nicht gewinnbringend verkauft werden können. Migros konzentriert sich auf ein Kernsortiment, das gute Umsatzzahlen erreicht. Durch die Streichung der “Verlustprodukte” aus dem Sortiment würde auch Spielraum für neue Preissenkungen auf die Produkte geschaffen.

Die Absicht von M-Budget war und ist es, Konsumenten mit kleinem Budget und grosse Familien anzusprechen. Beliebt war die Linie von Anfang an aber auch in der Mittelschicht und bei Gutverdienenden. Inzwischen sind die M-Budget-Produkte auch bei Jugendlichen «in». Vor allem durch neue Produkte, beispielsweise das M-Budget-Snowboard, gilt die Marke heute gar als «trendy». Der M-Budget-Energy-Drink hat dem ehemaligen Marktführer Red Bull mittlerweile sogar den Rang abgelaufen. Beliebt waren auch die M-Budget-Partys.

Seit 2005 vertreibt Swisscom über Migros die Marke M-Budget Mobile. Es handelt sich dabei um ein günstiges Prepaid-Angebot für Mobiltelefone, das ausschliesslich Telefonieren, SMS und minutenbasierende WAP-Einwahl anbietet. Andere Dienste wie MMS, GPRS oder ein Anrufbeantworter werden nicht angeboten. Das Mobilfunknetz von M-Budget Mobile läuft auf dem Netz von Swisscom.

Im Herbst 2006 lanciert Migros in Zusammenarbeit mit Mastercard und der GE Money Bank gar eine M-Budget-Kreditkarte.

Um bei der Werbung Geld zu sparen, wird seit 2009 die Marke M-Budget nicht mehr beworben.

Als Gegenstück zur Billiglinie M-Budget startete Migros im September 2005 als Nobelmarke die neue Produktlinie Migros Sélection. Die Linien Budget und Sélection sind preislich und qualitativ stark differenziert. Sie bilden quasi die beiden Pole des Angebots, das klassische Sortiment ist dazwischen angesiedelt.

Ende März 2009 begann Migros damit, das genannte klassische Sortiment unter der neuen Marke M-Classic einheitlich zu positionieren.

Engagement

Unter dem Dachlabel Engagement schliesst Migros mehrere national und international tätige Organisationen zusammen, die unter besonders sozialen oder umweltfreundlichen Bedingungen hergestellte Produkte anbieten. Dazu gehören

  • Bio, Produkt aus biologischer Landwirtschaft
  • Max Havelaar, Produkte aus fairem Handel
  • Marine Stewardship Council, Fisch aus nachhaltiger Fischerei
  • Eco umweltfreundliche, besonders hautverträgliche Textilien, soziale Arbeitsbedingungen
  • Bio-Baumwolle, Baumwolle aus biologischer Landwirtschaft, wird nach Eco-Richtlinien verarbeitet
  • Forest Stewardship Council, Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung
  • Terrasuisse, Produkte aus nachhaltiger Schweizer Landwirtschaft.

Terrasuisse ersetzt die bisherigen Labels IP-Suisse und M7 (7-Punkte-Fleisch-Garantie).

Neben den Produkten unterstützt oder realisiert Engagement auch Projekte. So hat Migros zu Beispiel den Verhaltenskodex ausgearbeitet, der alle Lieferanten zu sozialen Arbeitsbedingungen verpflichtet, sämtliche von Migros produzierte Margarine wird aus nachhaltig angebautem Palmöl produziert und acht Migros-Lastwagen fahren mit Biogas, das aus bei Migros entstandenem Grünabfall hergestellt wird. Mit dem Projekt SODIS klärt Engagement die Bevölkerung der Entwicklungsländer über eine einfache Methode auf, wie man mit einer PET-Flasche Wasser entkeimen kann und in Tirupur wurde eine Schule eröffnet, damit die Kinder eine Schulbildung bekommen können, anstelle in den dort zahlreichen Textilfabriken arbeiten zu müssen.

M-Cumulus

Das Kundenbindungsprogramm «M-Cumulus» wurde 1997 eingeführt und basiert auf einem Bonuspunktesystem. Mit jedem Einkauf können Punkte gesammelt werden, die bei ausreichender Ansammlung in Form von Wertcoupons ausgezahlt werden. Zum quartalsweise versandten Kontoauszug erhalten die Teilnehmer zudem eine Reihe von Rabattcoupons. Die aus den Einkäufen gesammelten Daten werden darüber hinaus intern für Statistiken und das Marketing ausgewertet.

Literatur

  • Katja Girschik, Albrecht Ritschl, Thomas Welskopp (Hrsg.): Der Migros-Kosmos. Zur Geschichte eines aussergewöhnlichen Schweizer Unternehmens. hier + jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2003, ISBN 3-906419-64-9
  • Sibylle Brändli: Der Supermarkt im Kopf. Konsumkultur und Wohlstand in der Schweiz nach 1945. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 3-205-99264-4
  • Alfred A. Häsler: Das Abenteuer Migros. Migros-Genossenschafts-Bund im Verlag der Migros-Presse, Zürich 1985
  • Hans Munz: Das Phänomen Migros. Die Geschichte der Migros-Gemeinschaft. Verl. Ex Libris, Zürich 1973

Einzelnachweise

  1. Wettbewerbskommission (4. September 2007): Auflagen zum Zusammenschluss Migros/Denner (Auszug)
  2. Wettbewerbskommission (4. September 2007): Weko macht Auflagen zum Zusammenschluss Migros/Denner
  3. Tages-Anzeiger: Migros schliesst deutsche Filiale (29. Januar 2008)
  4. Tages-Anzeiger: Neue Migros-Läden lassen Migros-Detaillisten zittern (29. November 2007)

Website von Migros
  • Website von Migros Deutschland
  • Artikel Migros im Historischen Lexikon der Schweiz
  • WOZ-Dossier über Migros
  • Website der Migros-Klubschule
  • Website des Migros-Kulturprozenten
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