Intelligibel
Der Ausdruck intelligibel (lat. intelligibilis, griech. noêtos – geistig erkennbar) ist ein philosophischer Terminus, mit dem in der philosophischen Tradition Gegenstände bezeichnet werden, die nur über den Verstand oder die Vernunft erfasst werden können, ohne jegliche Beteiligung von sinnlicher Anschauung.
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Begriffsgeschichte
Die Begriffsgeschichte geht auf Platon zurück (noêtos topos). Platon unterscheidet zwischen dem unveränderlichen Sein der Ideen und dem Bereich des Veränderlichen und des Vergehens. Dem Sein der Ideen ordnet er Wissen und Erkenntnis zu, dem anderen Bereich das Meinen und die Sinneswahrnehmung, die letztlich Täuschungen unterworfen sind.(siehe hierzu auch den Artikel Platon und Aristoteles)
Diese Dichotomie wird von den Neuplatonikern weitergeführt, die nun das Begriffspaar nôus und psychê zur Unterscheidung der beiden Bereiche gebrauchen, offensichtlich durch den Schöpfungsmythos im platonischen Dialog Timaios inspiriert, nach dessen Vorgabe die veränderliche Welt sich nach dem Vorbild einer unveränderlichen Welt bildete.
Augustinus übernimmt diese Zwei-Welten-Lehre und bringt sie mit den Überzeugungen der christlichen Lehre in Einklang. Die Wahrheit gründet bei Augustinus in den ewigen Ideen Gottes. Gott selbst ist die Wahrheit. Ähnlich wie bei Platon, haben damit auch für Augustinus die Ideen den höchsten ontologischen Status. Da der Mensch nun selbst aber diesen Status nicht hat, kann er nur die vermittelte Erleuchtung durch Gott (Illuminations- bzw. Irradationstheorie) an diesen Ideen teilhaben. Der göttliche Geist (mundus intelligibilis) nun erleuchtet bzw. strahlt direkt in den Menschen, der die Wahrheit bei sich selbst findet und nicht außerhalb seiner in der Welt.
Immanuel Kant unterscheidet zwischen intellektuell und intelligibel. Damit wurde die philosophische Diskussion des Erkenntnisproblems neu gestellt:
- Intellektuell sind die Erkenntnisse durch den Verstand, und dergleichen (Erkenntnisse) gehen auch auf unsere Sinnenwelt; intelligibel aber heißen Gegenstände, sofern sie bloß durch den Verstand vorgestellt werden können, und auf die keine unserer sinnlichen Anschauungen gehen kann (Prolegomena § 34, Fußnote 11).
Als intelligibel bezeichnet man in dieser Tradition Gegenstände, die nur durch den Verstand bzw. die Vernunft ohne jegliche sinnliche Anschauung vorgestellt werden können. Solche Gegenstände sind nach Kant nur einer intellektuellen Anschauung zugänglich und somit dem Menschen verschlossen, da dieser für Erkenntnis notwendigerweise der Anschauung von Raum und Zeit bedarf. Die intelligible Welt (mundus intelligibilis) bleibt ihm daher unzugänglich. Diese Einschränkung gilt nach Kant aber nur für die theoretische Vernunft, für die praktische Vernunft (Ethik) ist diese Annahme einer intelligibelen Welt Voraussetzung.
Siehe auch
Literatur
- Joachim Ritter: Mundus Intelligibilis. Eine Untersuchung zur Aufnahme und Umwandlung der neuplatonischen Ontologie bei Augustinus‘, 1937
- Anton Hügli, Poul Lübcke: Philosophielexikon. Hamburg 1983